Jobwechsel – Ja oder Nein? Wie erkenne ich, ob es Zeit für einen Neuanfang ist? – mit Ragnhild Struss

Shownotes

Unzufrieden im Job, ständig erschöpft oder das Gefühl, sich im Beruf nicht mehr wiederzufinden? Viele Menschen fragen sich im Laufe ihrer Karriere, ob ihre Arbeit noch zu ihnen passt. In dieser Folge von „Ist das noch gesund?“ spricht Dr. Yael Adler mit Unternehmerin und Executive Coach Ragnhild Struss darüber, woran man echten Veränderungsbedarf erkennt – und warum Arbeit einen so großen Einfluss auf unsere psychische und körperliche Gesundheit hat. Sie erklärt, weshalb ein vorschneller Jobwechsel nicht automatisch glücklicher macht, wie Job Crafting dabei helfen kann, die eigene Tätigkeit aktiv zu gestalten, und warum Sinn, Werte und Selbstwirksamkeit im Beruf so wichtig sind. Im Gespräch beantwortet Ragnhild Struss unter anderem folgende Fragen:

  • Woran merke ich, dass mein Job mir langfristig nicht guttut?
  • Was ist Job Crafting und wie kann ich meinen aktuellen Job aktiv verändern?
  • Wie erkenne ich meine Stärken, Interessen und Werte?
  • Welche Rolle spielen Selbstwert, Kommunikation und Arbeitsweise für die Zufriedenheit im Job?
  • Und warum lohnt sich ein beruflicher Neuanfang in jedem Alter?

Weitere Informationen zum Thema gibt es hier: Welcher Job passt zu mir und meiner Gesundheit? tk.de/techniker/2120750

Job Crafting - Raus aus dem Jobfrust: tk.de/techniker/2202658

Stress bei der Arbeit abbauen: tk.de/techniker/2093014

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00:00:01: Ein echtes Interesse nutzt sich einfach nicht ab.

00:00:03: Und das Tolle ist, wenn du dich innerhalb deines Interesses beschäftigst, dann stellst du deinen Selbstwert in dem Moment auch nicht in Frage.

00:00:09: Jeder fühlt sich gut, wenn er das macht, was ihm oder ihr gefällt.

00:00:13: Und deshalb kann ich nur dazu raten, auch beruflich etwas zu wählen, was das Herz wirklich berührt.

00:00:19: Hallo und herzlich willkommen zu.

00:00:20: Ist das noch gesund?

00:00:22: dem Podcast der Techniker.

00:00:23: Ich bin Dr.

00:00:24: Yael Adler, Ärztin mit eigener Praxis in Berlin.

00:00:27: Und heute sprechen wir über ein Thema, das viele Menschen bewegt.

00:00:30: Wie finde ich heraus, was ich wirklich will und wie gestalte ich mein Job so, dass er zu mir passt?

00:00:36: Mein Gast ist Ragnhild Struss.

00:00:38: Sie ist Unternehmerin, Executive Coach, also zuständig für Führungskräfte und Gründerin von Struss und Klausen, Personal Development in Hamburg.

00:00:47: Ihre Mission, Menschen dabei unterstützen, ihre Stärken und Leidenschaften zu erkennen und den Mut zu haben, neue Wege zu gehen.

00:00:56: Warum es so wichtig ist, Klarheit über die eigenen Werte zu haben, wie man einen beruflichen Neuanfang wagt und was genau hinter dem Konzept

00:01:05: Job

00:01:05: Crafting steckt, das erzählt sie uns jetzt.

00:01:09: Herzlich willkommen.

00:01:11: Ich freue mich, dass du da bist, liebe Rangheld.

00:01:13: Danke für die Einladung.

00:01:14: Ich freue mich sehr.

00:01:15: Warum ist es denn so wichtig, sich im Job wohl zu fühlen und auch so einen Sinn darin zu sehen, was man tut?

00:01:21: Ich glaube, heute ist der Beruf viel wichtiger als früher, wenn es darum geht, auch das eigene Selbstbild zu bestätigen.

00:01:28: Und deshalb ist diese Sinnperspektive, glaube ich, wichtiger geworden.

00:01:31: Ich muss wissen, wozu ich das eigentlich mache.

00:01:34: Wir trennen auch nicht mehr so doll zwischen Arbeit und Leben.

00:01:37: Deshalb muss ich ja irgendwie in meiner Person da auch diejenige sein können, die ich eben bin.

00:01:43: Und wir leben ja auch in hochgradig unsicheren Zeiten.

00:01:46: Und je mehr Sinngefühl ich habe, desto sicherer fühle ich mich auch im Innen.

00:01:49: Also je mehr ich das Gefühl habe, richtig authentisch das machen zu können, was mich auszeichnet, desto sinnhafter kommt es mir vor und desto sicherer bin ich.

00:01:58: Und wir sind im Gesundheitspodcast.

00:02:00: Was hat denn das Ganze mit seelischer oder körperlicher Gesundheit zu tun?

00:02:03: Ich glaube, es kennt jeder, wenn wir ganz viel gegen Widerstand anarbeiten.

00:02:08: Also, wenn man sich jetzt mal überlegt, dass man tagtäglich etwas machen muss, was einem im Inneren eigentlich nicht entspricht, dann muss ich mein Energiesystem ja übermäßig hochfahren.

00:02:18: Und dieser Energieverlust führt dazu, dass mein Job mir irgendwann mehr Kraft raubt, als er mir gibt.

00:02:24: Und das wirkt sich automatisch... immer auf die Gesundheit aus.

00:02:27: Also, wir merken das dann emotional, dass wir vielleicht ein bisschen kürzere Lunte haben oder uns öfter ärgern oder so traurig sind oder so.

00:02:34: Aber wir merken das eben auch irgendwann sozial, dass wir uns vielleicht mit Leuten ein bisschen mehr auseinandersetzen, dass wir genervter sind von anderen oder so.

00:02:42: Und ja, dann auch körperlich.

00:02:44: Also, jeder Mensch, der schon mal länger etwas getan hat, was ihm nicht entspricht, der kennt doch diese Kopfschmerzen, Magenbeschwerden, Schlafstörungen.

00:02:53: Das wirkt sich auf unser ... Energiesystem auch hormonell aus.

00:02:57: Wir haben eine höhere Kottisolausschüttung.

00:02:59: Das ist auch nicht gut für den ganzen Kreislauf.

00:03:01: Das Herzkreislaufsystem leidet darunter.

00:03:03: Also kurz gesagt, macht der Job.

00:03:06: Wenn du dort nicht am richtigen Platz bist, dich langfristig krank.

00:03:12: Das ist gut, dass du das noch mal explizit sagst.

00:03:14: Du bist nämlich aus dem BWL-Bereich und der Psychologie gleichermaßen.

00:03:18: Deswegen nehme ich dir das total

00:03:20: ab, was du kannst.

00:03:22: Meine nächste Frage ist, man kann ja schon mal auch unzufrieden sein.

00:03:25: Das kennt ja jeder.

00:03:27: Sowohl im Privatleben als auch im Job.

00:03:29: Aber woran erkenne ich, wenn ich wirklich Veränderungsbedarf habe?

00:03:32: Also muss es eine Weile so zu einer Unzufriedenheit kommen oder muss ich besondere Beschwerden haben?

00:03:37: Oder woran erkennt man, wie ernst die Lage ist?

00:03:40: Das ist eine super spannende Frage, weil das natürlich auch individuell variiert.

00:03:43: Und jetzt kennt man ja eine Phase, in der es vielleicht mal ein bisschen stressiger ist.

00:03:47: Das heißt, ich muss irgendwie mehr Energie aufbringen.

00:03:49: Ich arbeite vielleicht auch schlichtweg ein bisschen länger.

00:03:51: Oder es ist ein bisschen mehr hektik, bisschen mehr Druck.

00:03:54: so ein leichtes, diffuses Unzufriedenheitsgefühl und weiß aber innerlich, hey, diese Rahmenbedingungen unter denen ich gerade arbeite, die ändern sich in kürzerer oder mittelfristiger Zeit wieder.

00:04:05: Und es ist ja auch total okay und das finde ich auch eine wichtige Komponente, dass man einen Job toll finden kann und trotzdem mal genervt von ihm sein kann.

00:04:13: Das ist wie in der guten Beziehung.

00:04:14: Ich kann Mensch lieben und dieses Gefühl liegt unter allem und ich entscheide mich auch jeden Tag wieder für diesen Menschen und trotzdem treibt er mich manchmal die Wände hoch.

00:04:22: Das ist doch ganz normal.

00:04:24: Aber wenn ich das Gefühl habe, okay, warte mal, diese Situation im Außen, also zum Beispiel das unternehmerische Krisenmanagement oder die Unternehmenskultur oder das Team oder die Kommunikation, die ist in diesem organisationalen Umfeld einfach so und die wird sich auch nicht mehr verändern, dann weiß ich ja, dass mein Zufriedenheitsniveau unter den Bedingungen auch langfristig nicht wieder besser werden wird.

00:04:49: Und das sind dann meistens die Momente, an denen man erkennt, hey, Eigentlich erfüllt der Job die Erwartung, die ich an ihn habe, nicht.

00:04:57: Und es gibt auch keine gute Jobperson oder Personorganisationspassung.

00:05:04: Also wenn man so merkt, boah, irgendwie bin ich ein Flänzchen, was einfach nicht am richtigen Platz steht.

00:05:10: Und wenn es jetzt wirklich eine Pflanze wäre, würdest du die ja auch nicht anbrüllen, wenn sie in der Wüste nicht blüht, sondern dann würde dir ja klar werden, hey, ich muss die woanders hinsetzen.

00:05:19: Und das ist dann meistens so der Moment, an den Menschen jetzt gar nicht unbedingt mit ihren Symptomen merken, dass sie Fehl am Platz sind, sondern einfach mit ganz normaler Erkenntnis zu merken, Mensch, hier gibt es ein Miss-Match.

00:05:31: In eurem Unternehmen habt ihr ganz unterschiedliche Menschen aus dem Berufsleben von Berufsanfängern oder Leute noch erst mal sich entscheiden müssen, in welchem Beruf gehe ich, aber eben bis hin zu Führungskräften.

00:05:42: und alle Etagen und Berufssituationen zwischendrin.

00:05:46: Hab ich das richtig verstanden?

00:05:47: Ganz genau.

00:05:47: Also Schülerinnen kommen zu uns mit der Frage, welche Ausbildung oder welches Studium soll ich machen.

00:05:53: Dann gibt es Studentinnen, die sich dann nach dem Job einstieg fragen.

00:05:56: Und ganz häufig gibt es auch Young Professionals, die vielleicht mit neunzehn durch ein gewähltes Praktikum einen Berufsweg eingeschlagen haben.

00:06:05: Und dann nach einer Zeit aber merken so mit um die dreißig vielleicht, Mann, ich weiß gar nicht, war das überhaupt wirklich meins?

00:06:10: Also, hab ich mich an meinen... eigenen Interessen meiner eigenen Persönlichkeit orientiert?

00:06:15: Oder wollte ich vielleicht jemandem gefallen aus meinem Umfeld zum Beispiel?

00:06:17: Ja, Mama und Papa haben gesagt, du musst Medizin studieren.

00:06:19: Zum Beispiel.

00:06:20: Weil du hast auch ein gutes Abi.

00:06:21: Ganz genau, das ist ein Weg.

00:06:23: Und das ist aber auch gar nicht nur, weil die Eltern das machen.

00:06:25: Die haben ja häufig eine sehr positive Absicht.

00:06:27: Die wollen, dass das Kind in Sicherheit ist.

00:06:29: Und sicher ist immer das, was man kennt.

00:06:31: Und von dem man denkt, dass es gute Arbeitsmarktschancen hat.

00:06:34: Manchmal sind es aber auch, das ist auch für Führungskräfte häufig so, Erwartungen von der Gesellschaft zum Beispiel, die man übernommen hat.

00:06:42: So gesellschaftlicher Perfektionismus oder irgendwelche Glaubenssätze wie, na ja, mit Kreativität hat noch nie jemand wirklich einen richtig guten Euro verdient oder so.

00:06:50: Es gibt auch so innere Überzeugungen, die einen sehr stark leiten, wenn es um die Karriere geht und wenn es einem nicht mehr gut geht im Job.

00:06:58: Also wenn man nicht nur eine diffuse Unzufriedenheit hat, sondern echt das Gefühl hat, boah, ich ... ich bin hier nicht mehr ich, dann ist das der Zeitpunkt, zu dem man sich diese Fragen nochmal neu stellt.

00:07:08: Also zu dem man sich wirklich fragt, okay, was zeichnet mich denn eigentlich im Kern aus?

00:07:12: Was bedeutet das für meine beruflichen Ambitionen?

00:07:15: Welche Erwartungen habe ich überhaupt an Job?

00:07:18: Ganz viele Leute wissen gar nicht, was sie von ihrem Job erwarten.

00:07:20: Und diese Fragen nochmal neu aufzumachen, die bearbeiten wir dann eben auch im Coaching oder auch in Online-Kursen.

00:07:26: Also gerade, wenn es jetzt um das Thema Jobcrafting geht, du hattest es ja gerade schon mal angesprochen, haben wir ein super Online-Kurs, mit dem man sich mal so richtig intensiv mit sich selbst auseinandersetzen.

00:07:34: Erklär

00:07:34: jetzt mal den Begriff, wenn wir gerade schon dabei sind.

00:07:37: Also Job Crafting ist quasi das aktive Einwirken und Gestalten deines derzeitigen Jobs.

00:07:45: ohne wechseln zu müssen.

00:07:47: Also ganz viele Menschen, und vielleicht geht es zuhörenden jetzt auch so, die so merken, boah, so richtig passt mir das hier alles nicht mehr, die entwickelne Wechselfantasie.

00:07:56: Die haben das Gefühl, ey, wenn ich jetzt hier weggehe, das Gras auf der anderen Seite scheint viel grüner, dann wird sicher alles besser.

00:08:02: Wir wissen aber aus psychologischen Metastudien, dass das überhaupt nicht so ist, weil wenn du nicht wirklich bewusst dir überlegst, was dich eigentlich beruflich erfüllt und was nicht, dann wirst du mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit in dem nächsten nächsten Job an ähnliche Punkte kommen.

00:08:17: Das heißt, wir haben in diesen Studien herausgefunden, dass Menschen gar nicht glücklicher werden, wenn sie zu oft verfrüht den Job wechseln.

00:08:24: Stattdessen sollten sie das Gestaltungspotenzial und auch die Gestaltungsmacht, die sie in ihrem Job haben, den sie gerade begleiten, ausnutzen.

00:08:33: Und das machen zu wenige, weil sie ganz häufig sagen, hier kann ich eh nix ändern und die Strukturen sind halt so und so.

00:08:39: Ich hab dazu ein Buch geschrieben und der Kurs baut eben darauf auf, denn es gibt so viel mehr zu verändern, was einen so großen Hebel auf die Zufriedenheit hat, als dass jetzt irgendwelche strukturellen Veränderungen nötig machen würde oder so.

00:08:52: Das kann man einfach für sich machen.

00:08:54: Und das finde ich interessant, dass du eben Menschen auch rettest, bevor sie einen großen Schritt wagen, der ja auch manchmal Ängste und Unsicherheit und Sorgen mit sich bringen kann.

00:09:02: Voll.

00:09:03: Was sind bei deinen Klienten so die Warnsignale, die sie dazu bringen?

00:09:08: Hilfe zu suchen.

00:09:10: Eigentlich so das, was wir gerade schon angesprochen haben, psychische Unwegsamkeiten, also vorwiegend irgendwelche unangenehmen Gefühle, Frustration, Langeweile, Traurigkeit, Ärger, Zorn, Wut, also alles aus dem Aggressionsfeld ist immer ganz beliebt.

00:09:28: Dann aber auch Verzweiflung oder ja, einfach auch so das Gefühl, irgendwas verloren zu haben, vielleicht manchmal sogar so Selbstwertthemen, also, dass man irgendwie den eigenen Wert nicht mehr so richtig spürt.

00:09:39: Und dann auch echt ganz klassische Dinge wie Verspannung, Kopfschmerzen, Magenbeschwerden, Schlafprobleme.

00:09:47: Und auch zwischenmenschliche Themen, also Streit, Auseinandersetzung.

00:09:52: Vielleicht manchmal auch, das hören Kundinnen immer nicht so gerne, aber auch so was wie Opferdenken oder Schuldzuweisungen oder so.

00:09:59: Wenn man zu doll in einer Meckerschleife gefangen ist, dann ist das meistens ein Hinweis darauf, dass man weder liebt, was man tut.

00:10:06: Noch ist verlässt, noch aber wirklich auch irgendwas konstruktiv ändert.

00:10:09: Und das ist genau der Zeitpunkt, an dem es einmal darum geht, genauer hinzuschauen.

00:10:13: Viele hören uns jetzt zu und sagen sich,

00:10:16: ja,

00:10:16: das passt zu mir.

00:10:17: Was ist dann der nächste Schritt?

00:10:20: Ich vergleiche das auch gerne mit einem Arztbesuch oder Ärztinbesuch.

00:10:23: Du gehst ja auch nicht, sagen wir jetzt mal zur Zahnärztin und sagst, bohren Sie mal einfach irgendwo.

00:10:29: Sondern du hast ja den Anspruch, dass erst mal eine richtig ... fundierte Diagnostik vorgenommen wird, also erst mal geschautet, wo liegt denn eigentlich das Problem?

00:10:37: Und beim Job, super spannend, sind Menschen, die Fuß unzufrieden oder haben vielleicht auch gar nicht so eine tolle Unzufriedenheit, sondern denken, oh Mann, ist das jetzt hier schon gewesen und soll das jetzt für immer so weitergehen oder so?

00:10:48: Und dann bringen sie aber nicht, es liegt auch daran, dass wir es nicht gelernt haben, die Geduld und die strukturelle Hinwendung auf, um mal genau zu gucken, was ist denn hier eigentlich das Problem?

00:10:59: Wir denken beim Job, ausschließlich an die Aufgaben.

00:11:02: Und das ist

00:11:02: viel zu kurz

00:11:03: gesprungen.

00:11:04: Also, manche Leute sind auch wahnsinnig gestresst oder irgendwie innerlich unzufrieden, weil sie ihre Arbeitsweise noch nicht richtig angepasst haben an ihre Persönlichkeit.

00:11:13: Vielleicht zum Beispiel prokrastinieren sie wahnsinnig viel, kommen am Ende unter Druck, also schieben auf, ne, so chronischer Aufschieberitis, werden erst aktiv, wenn quasi die Notwendigkeit und die Dringlichkeit von außen krass gegeben sind durch eine Deadline, also durch eine Frist, an der man was abgeben muss.

00:11:29: Und dann ist es natürlich so, dass sie ihr volles Potenzial nie zum Einsatz bringen können und deshalb entsteht immer wieder ein Frusterlebnis, dann in der Leistungserbringung sagen wir mal, wenn man eine Präsentation hält oder irgendwie einen Kundentermin macht oder so.

00:11:43: Und dann verstehen sie aber gar nicht, dass die Aufgabe in sich ihnen eigentlich Freude machen würde, wenn sie nur lernen würden, den Modus Apparanti, also die Herangehensweise an die Arbeit zu verändern.

00:11:52: Manchmal sind es auch Einstellungssachen.

00:11:55: Also wenn ich zum Beispiel mit so einem richtig negativen Mindset durch die Gegend laufe und irgendwie denke, die jungen Menschen, die sind nicht mehr belastbar, die können alle gar nix und so, dann mache ich vielleicht auch ungute zwischenmenschliche Erfahrungen.

00:12:09: Viele haben auch zum Beispiel das Thema, dass sie sich nicht wertgeschätzt fühlen.

00:12:13: Und wenn wir dann in unseren Kursen fragen, ja, haben Sie denn Ihrem Vorgesetzten schon mal gesagt, dass Sie lobrauchen, um motiviert zu sein, dann wird das ganz häufig verneint mit der Aussage, wieso, aber das muss doch jeder selbst wissen.

00:12:25: Nein, eben nicht.

00:12:26: Es gibt Leute, die sind überhaupt nicht motiviert durch positive Rückmeldung oder Anerkennung und deshalb fällt denen auch nicht auf, dass dies anderen nicht geben.

00:12:33: Also auch zum Beispiel die Kommunikation neu zu gestalten ist ein ganz wichtiges Feld von Jobcrafting, also von aktiver Gestaltung des bestehenden Jobs.

00:12:42: Also dass man eben auch nicht immer nur Spielball ist und Opfer ist, sondern dass man selber gestaltet und wirksam wird, auch wenn man gar nicht in der Chefposition ist.

00:12:50: Es gibt so viele innere Jahrabers.

00:12:53: Also die Leute, die jetzt zuhören und denken, ja klar, ich fände es irgendwie auch cool, was zu verändern, die es aber noch nicht gemacht haben, die haben irgendeine innere Jahraber.

00:13:01: Und dem mal genau zuzuhören, ist super spannend.

00:13:03: Verunsicher zu sein, weil du es gerade angesprochen hattest, ist... ganz normal.

00:13:07: Also, ich meine, das Gehirn lieb bekannt ist.

00:13:10: Und alles, was unbekannt ist, hat natürlich auch erst mal ein bisschen Unsicherheitsaspekt.

00:13:16: Das heißt, es ist auch total normal, Ängste zu haben.

00:13:19: Die Frage ist, welche Ängste habe ich?

00:13:21: Weil meistens liegt es ja daran, dass ich irgendwo noch nicht genug abgesichert bin, noch nicht genug Informationen habe, noch nicht genug weiß, was auf mich zukommt.

00:13:32: Das heißt, entweder muss ich mich fachlich besser vorbereiten oder persönlich.

00:13:36: Also zum Beispiel liegt auch ganz viel am eigenen Selbstwert empfinden.

00:13:39: Was glaube ich eigentlich, wie viel Einfluss ich auf meine Umwelt habe?

00:13:43: Und wenn jetzt das innere Jahr bei der Zuhörenden zum Beispiel sowas ist wie, na, bei uns sind die Strukturen starrer, da kann ich eh nix machen, dann nimmt man sicher ein inneres Gestaltungspotenzial, weil das Gehirn an dem Moment überhaupt kein Bock mehr hat, weiterzudenken.

00:13:57: Wenn ich mich jetzt aber frage, und das ist nämlich auch ein Teil von Job Crafting, intelligentere Fragen zu stellen, wenn ich mich jetzt frage, wie könnte ich denn hier für mich etwas anpassen, ohne dass sich die Strukturen verändern müssen.

00:14:10: Dann kann das Innere kreativ werden.

00:14:13: Dann hab ich auch Bock, nachzudenken, weil ich dann ja auf Lösungen und aufs Gestalten ausgerichtet bin.

00:14:19: Und was ich jetzt erst mal so banal anhört, hat eine Riesenwirkung.

00:14:23: Ich hab Kundinnen, die haben schon dadurch eine Riesenwirkung erzielt, dass sie zum Beispiel zwei Stunden konzentriertes, ungestörtes Arbeiten in der Woche eingerichtet haben.

00:14:33: Wir werden ja dauernd von irgendwelchen Kommunikationsmitteln und so gestört.

00:14:37: Und einfach mal zu sagen, das ist jetzt mein konsequenter Termin, um tief einzutauchen.

00:14:42: mich der Wissenserweiterung, dem strategischen Denken, vielleicht der Kreativität oder so, ne?

00:14:48: Und alleine das.

00:14:49: Ich meine, das hört sich klein an und es hat eine Riesenwirkung.

00:14:53: Oder wenn ich zum Beispiel merke, man irgendwie fehlt mir ein gewisser zwischenmenschlicher Austausch.

00:14:59: Alles ist nur noch remote, niemand guckt sich mehr in die Augen.

00:15:03: Ja, das macht ja auch was mit uns.

00:15:05: Es ist ja viel weniger Oxytocyn, was da ausgeschüttet wird, weil wir immer nur über ein

00:15:09: Bild schütteln.

00:15:09: Das Bindungshormon.

00:15:10: Genau.

00:15:11: Weil wir immer nur über ein Bildschirm kommunizieren und das führt schon dazu, dass wir uns zwar vernetzt fühlen im Job, aber nicht wirklich verbunden.

00:15:17: Und diese kleine Veränderung dann zu sagen, okay.

00:15:20: Jede Woche ersetze ich ein digitales Meeting durch ein persönliches.

00:15:24: Und das gestalte ich vielleicht sogar so, dass ich Technik aus dem Meeting verbanne.

00:15:29: Also, dass ich wirklich in den zwischenmenschlichen Kontakt einsteige.

00:15:33: Das ist eine minimale Veränderung, die wahnsinnig weitreichende Konsequenzen hat.

00:15:37: Und deshalb mache ich dafür so eine Werbung, weil Leute so wenig darüber wissen, wie viele Hebel sie eigentlich bedienen können, um ihren eigenen Job wieder... besser zu finden.

00:15:48: Denn niemals sollte ein Job mehr Energie kosten als er gibt.

00:15:53: Das darf nicht sein, also dann ist man im falschen Job.

00:15:56: Also bei Angstgefühl sagen ja, berechtigt, aber...

00:16:00: Genau, ich würde noch nicht mal aber sagen, aber wertet ja immer alles ab, was vorher war.

00:16:04: Ich würde sagen, ich habe Angst und ich gehe mit der Angst.

00:16:07: Also und ich überlege mal, sag die Angst mir, Mensch, vielleicht bist du nicht genug.

00:16:12: kompetent oder vorbereitet auf die KI-Anforderungen beispielsweise, die es jetzt gibt.

00:16:17: Wenn ich die Angst in dem Maße entschlüsselt habe, dann weiß ich, okay, es wird Zeit für eine Fortbildung vielleicht.

00:16:23: Oder ich muss mich so positionieren, dass eben für mich keine Aufgaben anfallen, in der KI-Nutzung relevant ist.

00:16:30: Aber das ist ... Unwahrscheinlich, dass das passiert.

00:16:33: Von daher vielleicht ein bisschen die Kompetenzen aufbauen.

00:16:35: Wenn die Angst mir sagt, ich hab eigentlich Bock auf eine Beförderung, aber ich weiß gar nicht, ob mich die Leute akzeptieren oder ob ich mich das traue, in die Sichtbarkeit zu gehen oder so, dann weiß ich, okay, es ist Zeit, vielleicht mit meinem Selbstbild, mit meinem Inneren mich noch mal auseinanderzusetzen, mir noch mal zu überlegen, was für Werte hab ich eigentlich?

00:16:55: Wie bring ich die nach außen?

00:16:57: Was brauche ich denn vielleicht auch eigentlich im Sinne des Selbstvertrauen?

00:17:01: um da irgendwie mehr Sicherheit zu haben, vor Gruppen zu sprechen oder so.

00:17:05: Also ich kann die Angst schon entschlüsseln.

00:17:08: Sie ist ein wichtiger Wegweiser dafür, dass ich vielleicht dann innerlich wieder mehr das Gefühl habe, okay, ich bin dem gewachsen,

00:17:15: was

00:17:15: auf mich zukommt.

00:17:16: Also die Angst zum Freund machen auch so ein bisschen.

00:17:19: Stichwort Karriereplanung.

00:17:21: Gerade junge Menschen überlegen sich, was sind meine Stärken, meine Leidenschaften und kann ich da einen Beruf draus machen?

00:17:29: Wie finde ich das alles genau heraus?

00:17:31: Da sind so viele Fragen in einer Frage.

00:17:33: Mega spannend.

00:17:34: Nee, wirklich.

00:17:35: Also erst mal würde ich gerne auf das Thema Leidenschaft eingehen, weil ich finde, dass viele junge Menschen sich unter ein Wahnsinnsdruck stellen, wenn sie sagen, ich muss irgendwie meine Passion finden.

00:17:47: Weil Passion klingt immer so groß.

00:17:50: Und das hat man gar nicht am Anfang.

00:17:52: Und es ist auch nicht jeder Charakter so ausgerichtet, dass er wahnsinnig begeisterungsfähig ist.

00:17:55: Es gibt auch Charaktere, die wollen sich einfach in Sicherheit wiegen oder möchten das Gefühl von Zufriedenheit haben.

00:18:02: Und passion, also Leidenschaft, ist ja auch etwas, was meistens entsteht, wenn man mal so richtig tief eintaucht.

00:18:07: Also jeder, der irgendwie in der Uni oder in der Schule mal einen Referat halten musste über.

00:18:12: Weiß ich nicht.

00:18:13: Eine Kurven-Diskussion, ja, Analyses in Mathe.

00:18:16: Dann ist das erst mal trocken und jeder denkt, schock, schwere Not, kein Bock drauf.

00:18:19: Und wenn du dann aber so richtig tief eintauchst und erkennst, dass so eine Kurven-Diskussion dir irgendwie sagt, wie viele Bauern musst du aufs Feld schicken, um maximal Kartoffeln zu ernten oder so, dann wird das lebendiger, du tauchst ein und auf einmal entwickelst du paradoxerweise, du hättest es vielleicht vorher nie gedacht, eine Leidenschaft für Kurven-Diskussionen.

00:18:38: Woran liegt das?

00:18:39: Weil Leidenschaft auch entsteht, wenn ich wirklich in die Tiefe gehe.

00:18:43: Und deshalb erst mal, sich von der Erwartung der Leidenschaft loszulösen, ist ein guter Start, um überhaupt in Bewegung zu kommen für den Job.

00:18:50: Was ich wichtig finde, ist schon nach den Interessen zu fragen.

00:18:53: Und Interessen müssen aber nicht immer eins zu eins übersetzt werden.

00:18:56: Wenn mein Interesse ist, mit Freundinnen zum Kaffee trinken zu treffen, dann höre ich von Klientinnen immer sofort, ja gut, aber erstens will das nicht jeder, und zweitens, wie soll ich denn daraus einen Job machen?

00:19:07: Naja, indem man diese Interessen dann übersetzt, also sie eher metaphorisch betrachtet, also als Sinnbild.

00:19:14: Was steckt dahinter, wenn ich mich gerne mit Freundinnen zum Kaffee trinken treffe?

00:19:19: vielleicht gerne und gut oder ich höre gerne und gut zu, ich gehe berat oder ich mag vielleicht klatsch und trag.

00:19:24: Also was genau ist es eigentlich, was mein Herz berührt und das dann zu übersetzen auf berufliche Eigenschaften und Kompetenzen ist, glaube ich, eine ganz wichtige Sache, das zu den Interessen.

00:19:36: Warum ist das aber nicht das einzige, worauf man achten sollte?

00:19:39: Interesse ist immer eine Frage der Sozialisation.

00:19:42: Also es ist total wahrscheinlich, dass du dich für die Berge interessierst, wenn du in der Nähe der Berge wohnst oder wenn deine Eltern in jeder Ferienzeit in die Berge fahren.

00:19:52: Jetzt hast du vielleicht nicht die Gelegenheit gehabt, mit dem Wasser konfrontiert zu sein und das Interesse segeln zu entwickeln.

00:19:58: Und das ist jetzt sehr banal formuliert.

00:20:00: Ich will nur den Unterschied deutlich machen.

00:20:02: Vielleicht gibt's ja auch Interessen, die du entwickeln könntest aufgrund deiner Persönlichkeit, mit denen du aber noch nicht in Kontakt gekommen bist.

00:20:09: Und das ist, wenn's um den Beruf geht ja auch ganz natürlich, also ich meine, die wenigsten Leute interessieren sich mit siebzehn irgendwie für Steuerrecht oder so.

00:20:16: Von daher geht es bei den Stärken und auch bei der Frage nach dem Beruf in jedem Alter darum, mal nach innen zu gucken und zu schauen, was zeichnet mich denn eigentlich aus?

00:20:25: Also welche Talente, welche Anlagen, welche Persönlichkeits-Eigenschaften hab ich denn?

00:20:30: Und jetzt natürlich die Frage, wie finde ich das raus?

00:20:32: Ein guter Ansatz ist zum Beispiel, eine Liste mit fünfzig Stärkenmahnen zu fertigen.

00:20:38: Fünfzig dürfen es sein.

00:20:39: Genau.

00:20:39: Und dann sagen immer alle, oh Gott, da komme ich ja nie hin.

00:20:42: Das ist aber sinnvoll, weil die ersten fünf, die kommen schnell und die sind oft recht generisch.

00:20:46: Also sowas wie ich bin kooperativ, ich kann mich gut durchbeißen, wenn ich ein Interesse habe für irgendwas.

00:20:52: Und dann kommt man nach und nach erstens in die Überwindung des Glaubenssatzes Eigenlob stinkt, weil dann ist man schon ein bisschen fortgeschritten mit dieser Liste, die man über ... auch nicht in einem Stück erstellen muss, kann man an mehreren Tagen oder so machen.

00:21:05: Und dann kommst du ein bisschen tiefer in deine Persönlichkeit.

00:21:08: Also dann kommst du irgendwann an die Sachen, die dein Unbewusstes dir dann erst nach einer Zeit drauf spült, wenn du dir mal ein bisschen Muße dafür nimmst.

00:21:16: Und dann kannst du zum Beispiel auch, und das ist auch eine schöne Übung, mal überlegen, in den letzten paar Monaten, wann war ich denn so richtig im Flow?

00:21:24: Also, wann hatte ich denn mal so das Gefühl, boah, jetzt bin ich mir richtig nah.

00:21:28: total Bock auf das, was ich gerade tue.

00:21:30: Und irgendwie fühle ich mich auch wohl dabei.

00:21:32: Ich fühle mich kompetent.

00:21:34: Und dann kannst du auch das übersetzen in berufliche Eigenschaften.

00:21:37: Also, wenn du jetzt sagst, ich hab irgendwie den Kindergeburtstag meines Sohnes organisiert, ja, dann nicht sofort dich innerlich abschneiden und denk dir, gut, wir sind hier.

00:21:46: Sondern dann mal zu überlegen, okay, was waren denn da die einzelnen Prozessschritte oder die einzelnen Tätigkeiten in diesem Thema, die mich so begeistert haben?

00:21:53: Vielleicht zum Beispiel organisatorische Fähigkeiten, vielleicht Service und Dienstleistung.

00:21:57: vielleicht was auch besonders gut im Marketing, weil die Einladung irgendwie besonders klasse war, ja.

00:22:02: Also das zu übersetzen.

00:22:03: Und ich glaube, das ist schon wichtig.

00:22:05: Ich höre immer wieder, na ja, ich will nicht meinem persönlichen Interesse beruflich nachgehen, weil dann verliere ich vielleicht die Lust daran.

00:22:12: Das kann ich mal ganz deutlich sagen, das habe ich noch nie erlebt.

00:22:16: Ein echtes Interesse nutzt sich einfach nicht ab.

00:22:19: Und das Tolle ist, wenn du dich innerhalb deines Interesses beschäftigst, dann stellst du deinen Selbstwert in dem Moment auch nicht in Frage.

00:22:25: Jeder fühlt sich gut, wenn er das macht, was ihm oder ihr gefällt.

00:22:28: Und deshalb kann ich nur dazu raten, auch beruflich etwas zu wählen, was das Herz wirklich berührt.

00:22:33: Und fragt ihr auch nach einer Liste mit Schwächen?

00:22:35: Nee, und ich glaube nämlich auch gar nicht an das Prinzip von Schwäche.

00:22:39: Also erst mal habe ich ein sehr gutes Menschenbild.

00:22:42: Und zweitens ist es häufig eine Sache der Umgebung.

00:22:46: Also jetzt haben wir ja von der Pflanze gerade gesprochen.

00:22:49: Man würde ja jetzt auch nach Priemel in der Wüste nicht vorwerfen, dass sie nicht widerstandsfähig wäre, sondern würde ja klar sein, die ist nicht im richtigen Umfeld, während der Kaktus da halt gut aufgehoben ist.

00:23:00: Und so ist das mit Stärken und Schwächen auch.

00:23:02: Ich sage lieber Schattentalente als... Schwächen, stell dir mal vor, du bist zum Beispiel superwettbewerbsorientiert und total dominant.

00:23:09: Also du kämpfst gerne ums Gewinnen und du gibst gern den Ton an, du hast eine hohe innere Autorität und du bist sehr, sagen wir mal, kräftig in deinen Aussagen.

00:23:20: Dann ist das vielleicht in einem Umfeld, wo es ganz doll um Kooperation, um Teamgeist, um gegenseitige Unterstützung geht, vielleicht nicht so gut aufgehoben.

00:23:30: Wenn du aber in einer sehr starken Leistungskulturarbeit oder eine Führungsposition hast du, die auch wirklich darauf ausgerichtet ist, dass du ab und zu mal sagst, stop, hier ist jetzt eine Grenze, weiter geht's nicht oder so, dann sind das doch tolle Eigenschaften.

00:23:44: Also die Frage ist, glaube ich, immer eher, wie setzt du deine Eigenschaften ein und hast du das richtige Umfeld, damit du dich selbst ausleben kannst, bis du die Pflanze in einer richtigen Stelle steht.

00:23:58: Jetzt gibt es ja so äußere Faktoren wie finanzielle Sicherheit, familiäre Verpflichtung.

00:24:03: dass man auch an Ort gebunden ist oder Eltern hat, die man pflegen muss, was auch immer.

00:24:07: Welche Rolle spielt das?

00:24:09: Wie kann ich das in Einklang bringen mit meinem aktuellen Arbeiten?

00:24:13: Die Frage kann ich ganz kurz beantworten, weil sie auf den Menschen bezogen dann individuell angeguckt werden müsste.

00:24:20: Aber jeder, der sich jetzt diese Frage stellt, sollte innerlich nicht ob ... Fragen, also nicht, ob er das hinkriegt und ob er oder sie dann einen anderen Zugang zum eigenen Job finden kann, sondern die Frage ist erst mal, wie?

00:24:33: Also jede Verpflichtung im Außen kann in ein Wie übersetzt werden.

00:24:38: Wie kann ich meine jobliche Situation verändern?

00:24:40: Bei gleichbleibender finanzieller Stabilität zum Beispiel.

00:24:43: Bei gleichbleibender zeitlicher Ressource.

00:24:47: Okay, also keine pauschalen Antworten, sondern gucken, wie kann man individuell lösen?

00:24:51: Phasen der Herausforderungen, die ja auch manchmal wieder besser werden.

00:24:55: Das heißt, was rätst du denn den Menschen, die jetzt das Gefühl haben, ich bin jetzt seit zwanzig Jahren im Job, aber eigentlich würde ich was ändern, aber jetzt ist es eigentlich auch schon zu spät.

00:25:01: Jetzt warte ich mal eben auf die Rente.

00:25:03: Auf keinen Fall.

00:25:04: Jeden Tag ist Weltuhraufführung und wir arbeiten ja alle recht lange.

00:25:08: Es lohnt sich, jeden Tag etwas zu verändern, weil ja auch die Rente viel schöner ist, wenn man vorher etwas gemacht hat, was einen nicht emotional oder physisch an den Rand der Kräfte gebracht hat.

00:25:20: Auch hier ist ganz wichtig, einmal zu schauen, das Kapital, was man angesammelt hat in der beruflichen Biografie, also alle Erfahrungen, die verschiedenen Erkenntnisse, die man gesammelt hat, die Kompetenz, die man erweitert hat, die man vertieft hat, die nimmt man ja auch mit, egal wie man jetzt den Job verändert.

00:25:38: Und außerdem spielt die Zeit uns auch in die Karten, weil Rollen insgesamt fluider werden.

00:25:43: Also jetzt gerade mit der technischen Entwicklung gibt es ja nicht mehr das Rollenprofil, was irgendwie zwanzig Jahre ... lang star bleibt.

00:25:50: Von daher würde ich ermutigen hier einfach erstmal zu versuchen, bevor man innerlich aufgibt und sehr, sehr lange noch auf die Rente wartet.

00:26:00: Selbst für Sorge gehört da ja auch rein und auch die eigene Gesundheit, die bei Karriere Entscheidungen mit betrachtet werden kann oder sollte.

00:26:08: Viele gehen ja auch über ihre Grenzen hinweg, um Karriere zu machen.

00:26:11: Wie betrachten wir diese Aspekte?

00:26:13: Super wichtig, für mich ist eine ganz entscheidende Stellschraube im Job-Crafting, also in der Gestaltung des eigenen Jobs, das eigene Energiemanagement.

00:26:22: Das ist ganz entscheidend, weil letztendlich brauche ich ja auch Kraft für die Herausforderungen, die ja auch positiv sein können.

00:26:27: Ich brauche ja auch für gute Dinge Kraft, also es ist ja nicht nur so, dass ich kompensatorisch da Energie aufbringen sollte.

00:26:34: Und deshalb finde ich es super spannend, mal zu fragen, zum Beispiel nach dem Biorhythmus.

00:26:38: Ja, das ist so eine ganz einfache Frage, die man sich stellen kann, wann kann ich eigentlich weg?

00:26:42: Aufgaben am leichtesten erledigen.

00:26:44: Ich zum Beispiel stehe super gerne um fünf auf, aber nach neun Uhr abends bin ich einfach nicht mehr produktiv.

00:26:51: Und das bedeutet für mich, dass ich nicht in einem Arbeitsumfeld arbeiten sollte, indem man generell eher um elf anfängt und dann abends noch zusammen essen geht und so, das wär für mich gar nix.

00:27:01: Also Biorhythmus ist zum Beispiel spannend.

00:27:03: Dann auch die Frage, wie ernähr ich mich eigentlich?

00:27:05: Du glaubst ja gar nicht, wie viele Kunden ich habe, die sich über Kantineessen beschweren, immer sagen, danach geht's mir eine Stunde schlecht.

00:27:12: Ja, okay, dann muss man sich eben zum Meal Prep, also zur Vorbereitung des eigenen Mittagessens motivieren.

00:27:18: Und ich glaube auch, dass generell wir ja im Moment damit beschäftigt sind, nicht nur den Live-Span, also die Lebensdauer.

00:27:25: zu erhöhen.

00:27:25: Wir leben ja alle schon recht lang, sondern was wir wollen, ist den Healthspan zu erhöhen, also länger gesund zu leben.

00:27:33: Und wenn man jetzt mal überlegt, wie viel Zeit wir im Job verbringen und was wir in der Zeit auch mit unserem Körper machen, dann ist, glaube ich, die Frage danach, wie ich gut gesund arbeiten kann, um auch langfristig und nachhaltig Kraft zu haben, eine super wichtige.

00:27:48: Und dass man ja auch im freien Bereich dann auch für Ausgleich sorgen kann, dass man sich auch im Privatleben, in der Freizeit Dinge sucht die für Gesundheit sorgen.

00:27:57: Das balanciert und gibt Kraft.

00:27:58: Ich glaube, dass der Job ja auch nur ein Lebensbereich von vielen ist.

00:28:03: Da wir aber im Moment in einer Zeit leben, in der die Grenzen zwischen den Lebensbereichen verschwimmen, ist es super wichtig, sich auch mal zu fragen, wie interagierende meine unterschiedlichen Lebensbereiche miteinander.

00:28:14: Weil ich total viele Kunden zum Beispiel auch hab, die durch den Job so kaputt sind, dass gleichzeitig auch das Privatleben noch drunter leidet.

00:28:22: Weil sie dann vielleicht eben doch nicht mehr ... noch mal den Spaziergang mit einer Freundin machen oder sich zum Tennis verabreden oder Klavier spielen oder was auch immer dann sozusagen aus Erschöpfung dann wegfällt.

00:28:33: Und das ist dann so eine Spirale, die sich nach unten dreht.

00:28:37: Von daher ist, glaube ich, total wichtig, so eine Lebensbetrachtung vorzunehmen und sich mal zu fragen, woher gewinne ich denn eigentlich die Kraft in meinem Leben und was brauche ich zum Ausgleich?

00:28:45: Also welche Oft Job-Crafting-Maßnahmen kann ich auch unternehmen.

00:28:50: Also wie kann ich mich auch zum Beispiel um guten Schlaf kümmern?

00:28:53: Manchmal, und das ist auch interessant, hat die berufliche Unzufriedenheit gar nicht unbedingt was mit dem Job zu tun, sondern mit irgendeiner anderen Baustelle, die ich habe.

00:29:03: Wir machen jetzt einen Mythen-Check.

00:29:04: Hier stellt ihr drei kurze Fragen und du musst relativ kurz antworten.

00:29:08: Mythos Nummer eins.

00:29:10: Man muss nur seine Leidenschaft folgen, dann wird alles gut.

00:29:14: Das ist Quatsch, Motivation schwankt.

00:29:17: Man sollte seinem Interesse folgen und dann diszipliniert arbeiten.

00:29:21: Mythos Nummer zwei.

00:29:23: Karriere bedeutet immer

00:29:25: Aufstieg

00:29:26: auf der Karriereleiter.

00:29:27: Auf keinen Fall.

00:29:28: Es gibt auch vertikale Karrieren, also Vertiefungskarrieren, crossfunktionale Wechsel, eine bestimmte Stabilisierung, also nein, Pyramide war gestern, muss nicht sein.

00:29:39: Mythos Nummer drei.

00:29:41: Ein Jobwechsel ist ein Risiko, das man, wenn möglich, doch besser vermeidet.

00:29:46: Auch falsch.

00:29:48: In jedem Risiko gibt es der andere Seite der Medaille und das ist die Chance.

00:29:53: Jetzt haben wir schon gelernt, dass man für sich eintreten kann, das Gespräch suchen kann, Dinge verbalisieren darf.

00:29:59: Wie schafft man das selbstbewusst und sympathisch zu tun, ohne gleich als schwierig abgestempelt zu werden und nervig zu sein?

00:30:07: Zum Beispiel für Vorgesetzte oder Kollegen.

00:30:10: Das ist eine super Frage, die man sich eigentlich selbst beantworten kann, indem man sich mal fragt, was man selbst nervig findet.

00:30:17: Und nervig ist meistens das, was Anforderung stellt, ohne Eigenverantwortung zu übernehmen.

00:30:22: Also wenn jemand auf dich zukommt und sagt, ich habe aber das und das verdient und ich finde das alles blöd, dass ich das nicht habe und so, dann findest du das auch nervig, wenn so jemand an dich herantritt.

00:30:30: Und von daher geht es, glaube ich, darum selbstwertstark.

00:30:34: eigenverantwortlich im Sinne des Unternehmens Ziels zu argumentieren.

00:30:39: Also, wenn du mit Vorgesetzten sprichst, die nochmal klar zu machen, was ist denn das Ziel des Unternehmens?

00:30:44: Was wollen wir denn erreichen und wie spielt deine Rolle damit?

00:30:49: Also, was sollst du quasi übernehmen?

00:30:51: Und dann zu sagen, hey, ich habe das Interesse auf genau dieses Ziel einzuzahlen.

00:30:56: Damit ich das besser machen kann, würde ich gerne folgende Veränderungen vornehmen.

00:31:00: Und dann hast du auf jeden Fall schon ganz, ganz großen Fuß in der Tür.

00:31:04: Und sollte man dann das Team zusammentrommeln?

00:31:07: Oder sollte man mit den Kollegen sprechen in der Küche beim Kaffee?

00:31:10: Also wie bezieht man da alle diese Player mit ein?

00:31:12: Weil eigentlich gehört ja das gesamte Team da irgendwie mit rein.

00:31:16: Ich glaube, dass das abhängig ist davon, was du verändern möchtest.

00:31:19: Wenn es jetzt zum Beispiel darum geht, dass du deinen Arbeitsvertrag verändern möchtest, weil du vielleicht die Zeit reduzieren oder Stunden erhöhen möchtest, dann ist das ein Gespräch, was du mit dem entsprechenden Entscheidungsträger oder Trägerin führen musst.

00:31:32: Wenn es darum geht, dass dir eure Meetingkultur auf den Senkel geht, weil irgendwie alle immer durcheinander reden oder weil sich keiner an die Zeiten hält oder weil keiner im Online-Meeting seine Kamera anschaltet oder so, dann ist das etwas, was natürlich mit der Gruppe besprochen werden.

00:31:46: Also die erste Frage ist, wer ist der Adressat meines Anliegens?

00:31:50: Also was will ich erreichen und wer ist involviert in meinem Ziel?

00:31:55: Weil wie gesagt, es gibt auch ganz viele Themen, die ich erst mal mit mir selbst auch klären kann.

00:32:01: Es gibt im Bereich der inneren Einstellung vielleicht auch die Möglichkeit, dass man mit der Personalabteilung spricht oder mit einer Verantwortlichen, die sich um zum Beispiel Karriereentwicklung im Unternehmen.

00:32:15: kümmert.

00:32:16: Also, dass man vielleicht überlegt, hey, ich merke, dass ich zunehmend genervt bin.

00:32:20: Wie kann ich das zum Beispiel für mich selbst lösen?

00:32:23: Was sagt mir mein genervt sein?

00:32:26: Und deshalb ist immer die Frage, wen tangiert's?

00:32:30: Ich habe in meiner eigenen Praxis oft Patienten, die in ihrem Job Probleme haben und sprechen oft von Mobbing.

00:32:35: Das scheint sehr verbreitet zu sein, was ihnen total die Lust am Arbeiten kaputt macht und wo sie auch körperliche Symptome entwickeln.

00:32:42: Kannst du da auch noch was zu sagen, was man beim Thema Mobbing macht, wo man doch vielleicht in einem Beruf ist, der genau zur Leidenschaft passt, aber die Umstände nicht passen?

00:32:49: Und die Frage ist, wie kriegt man andere Menschen da nochmal umgekrempelt?

00:32:53: Das ist ja auch nicht so einfach.

00:32:55: Das ist eine sehr individuelle Frage, weil ich jetzt natürlich diese Situation dann nicht kenne.

00:33:01: Aber bei Mobbing geht es ja immer darum, dass die Beziehung belastet ist, also dass man eine zwischenmenschliche Kommunikation hat, von der zumindest ein Mensch Schaden davon trägt.

00:33:12: Und oft ist es natürlich so, dass Mobbing ein Zeichen von ziemlicher Unreife ist.

00:33:19: Das heißt, ich würde als erstes die Person selbst ansprechen und die Wirkung des Verhaltens beschreiben.

00:33:25: Also sagen, hey, wenn du dich immer sarkastisch über mich lustig machst, dann verletzt mich das, bitte unterlasse es.

00:33:32: Wenn das keinen Effekt hat, dann würde ich das Gespräch mit einer dritten Person, also entweder der Führungsperson oder jemanden aus der Personalabteilung, suchen.

00:33:42: Es gibt überhaupt keine Toleranz für Mobbing.

00:33:45: Niemand darf jemand anderen entwerten oder erniedrigen, sich auf eine Art lustig machen, die wehtut.

00:33:52: Häufig ist das so, dass diese Muster so verfahren sind, dass es nichts bringt, die Person einzeln anzusprechen, dass man das besser mit einer mediierenden, also einer vermittelnden Person machen sollte oder eben mitzeugen.

00:34:04: Zum Abschluss.

00:34:05: Was kannst du unseren Hörerinnen und Hörern raten, wenn die selber gerade beruflich ... Struggle und über eine berufliche Veränderung nachdenken.

00:34:15: Deine wichtigsten Tipps.

00:34:18: Ich würde mit einer Standortanalyse beginnen, um erstmal rauszufinden, was genau das Problem ist.

00:34:24: Berufliche Unzufriedenheit kommt meistens dadurch zustande, dass der Job nicht die Erwartung erfüllt, die man an ihn hat.

00:34:31: Oder, dass es keine Job Person Passung gibt.

00:34:35: Das heißt, im nächsten Schritt geht es dann darum, sich zu fragen, hey, was zeichnet mich eigentlich aus?

00:34:40: und kann ich das hier ausleben, ja oder nein, beziehungsweise wie kann ich es ausleben.

00:34:44: Mein Tipp ist aber, nicht voreilig das Handtuch zu werfen, weil es doch immer sehr viel Energie kostet, den Job zu wechseln.

00:34:52: Es kann am Ende eines Job-Crafting-Prozesses immer noch die Erkenntnis sein, den Job wechseln zu wollen.

00:34:57: Aber dann weiß man wenigstens genau, was man stattdessen sucht.

00:35:01: Von daher nicht vorzeitig das Handtuch werfen, sondern einmal strukturiert sich mit der Situation auseinandersetzen, um zu gucken, ob im Job selbst noch etwas zu verändern ist, um wieder zufriedener zu sein.

00:35:12: Das ist so interessant.

00:35:13: Man hat von dir gelernt, dass die Psyche und das Wesen und der Charakter und Persönlichkeit auch so eine große Rolle spielen, nicht nur im Privatleben, sondern auch im beruflichen Umfeld.

00:35:22: Und dass, wenn man das nicht erkennt und sich nicht wirklich ... Analysiert hat im Grunde, dass man auch Gefahr läuft, immer wieder in dieselbe unangenehme Situation zu geraten und dass es sich immer lohnen kann, dann an sich selber zu arbeiten, sich selber kennenzulernen und aufs Bauchgefühl zu hören, oder?

00:35:36: Man kann das an ganz einfachen Beziehungen im Job kenntlich machen.

00:35:40: Ganz häufig wiederholen wir zum Beispiel unter KollegInnen ursprünglich Geschwisterkonflikte.

00:35:47: Und ganz häufig haben wir mit Ervorgesetzten ein Problem, die uns in irgendeiner Weise an jemanden erinnern, mit dem wir schon früher Probleme hatten.

00:35:56: Also du hast vollkommen recht.

00:35:57: Es ist wichtig, sich diese Dinge bewusst zu machen.

00:36:01: Denn nur, was wir verstehen, darauf können wir auch bewusst einwirken.

00:36:05: Und dafür möchte ich einfach mit Job-Crafting ganz viel Werbung machen.

00:36:09: Danke an Rang Hildstruss für diese tollen Einblicke.

00:36:12: Vielen Dank.

00:36:13: Danke.

00:36:15: Das war's für heute.

00:36:17: Die nächste Folge von Ist das noch gesund?

00:36:19: erscheint in einem Monat.

00:36:21: Um sie nicht zu verpassen, folge uns einfach in deiner Podcast-App.

00:36:25: Und wenn dir unser Podcast gefällt, dann hinterlasse uns gerne eine nette Bewertung.

00:36:30: Bei Fragen, Kritik oder Themenvorschlägen erreichst du uns unter podcast.at.tk.de oder nutze einfach die Social-Media-Kanäle der Techniker.

00:36:39: Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.

00:36:41: Tschüss!

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