Autismus: Warum fühle ich mich so anders als andere? Mit Linda Rohde
Shownotes
Autistin und Content Creatorin Linda Rohde spricht offen über ihre Autismus-Diagnose und darüber, wie es sich anfühlt, sich lange anders zu fühlen. Besonders als Frau im Autismus Spektrum.
In der Folge geht es um Masking, Reizüberflutung und soziale Erschöpfung im Alltag. Linda teilt ihre Erfahrungen mit späten Diagnosen, Autismus und ADHS, Neurodivergenz, Empathie und sensorischer Wahrnehmung. Eine persönliche und ehrliche Folge über Selbstakzeptanz und einen verständnisvollen Umgang mit Neurodivergenz.
Weitere Informationen der Techniker zum Thema gibt es hier ADHS bei Erwachsenen
Transkript anzeigen
00:00:00: Ich würde mir sehr wünschen, dass wir Betroffenen mehr zuhören, statt Verurteile zu haben.
00:00:07: Beziehungsweise ist es ja okay, dass man diese hat, die werden einem irgendwie mitgegeben.
00:00:11: Aber dass Menschen diese auch hinterfragen und bereit dazu sind, Betroffenen, wenn sie schon darüber sprechen, auch wirklich zuzuhören.
00:00:20: Hallo und herzlich willkommen zu.
00:00:22: Ist das noch gesund?
00:00:23: dem Podcast der Techniker.
00:00:25: Ich bin Dr.
00:00:25: Yael Adler, Ärztin mit eigener Praxis in Berlin.
00:00:29: Und heute sprechen wir über ein Thema, über das viel Unwissenheit herrscht.
00:00:32: Autismus.
00:00:33: Mein Gast ist Linda Rhode, viel bekannt als Licke Linda, glückliche Linda in Schwedisch.
00:00:39: Sie ist Content-Creatorin, ist selbst Autistin und eine wichtige Stimme für Neurodivergenz auf Social Media.
00:00:46: Wir reden heute über ihre Diagnose, gängige Klischees, den Alltag mit Autismus und darüber, was Linda sich von unserer Gesellschaft wünscht.
00:00:57: Herzlich willkommen, liebe Linda.
00:00:58: Schön, dass du da bist.
00:00:59: Danke, dass ich da sein darf.
00:01:01: Erzähl mal, wie fühlt sich Autismus an für dich persönlich?
00:01:04: Autismus fühlt sich für mich an, als hätte die ganze Welt einen Briefing bekommen, von dem ich irgendwie nichts mitbekommen habe, nichts erfahren habe.
00:01:12: Also als Wüsten alle anderen etwas, was ich mich weiß.
00:01:16: Interessant.
00:01:17: Man scannt dann in seinem Gehirn ja auch durch, wen kennt man, der vielleicht auch autistisch ist.
00:01:22: Und das passt ganz genau, dass eben manchmal so Prozesse, Gruppendynamiken, Ablaufen, von denen die Betroffenen nichts mitkriegen.
00:01:30: Ist das so?
00:01:31: Ja, total.
00:01:32: Also vor allem so soziale Situationen, Gruppensituationen sind für mich relativ schwierig und auch für viele andere Betroffene.
00:01:41: Weil man immer das Gefühl hat, nicht zu wissen, wann kann ich jetzt irgendwie mit in das Gespräch einsteigen oder was so soziale Gepflogenheiten sind.
00:01:50: Also es ist sehr viel, es beruht sehr viel darauf, Dinge, die andere ganz natürlich machen, ein bisschen auswendig zu lernen und dann ganz bewusst auch anzuwenden.
00:02:00: Soll ich überhaupt Autistin sagen oder ist es blöd?
00:02:03: Das kannst du gerne zu mir sagen, das finde ich nicht blöd.
00:02:05: Wann hast du denn das erste Mal gemerkt im Leben, dass du vielleicht ein bisschen anders tigst als so deine Umwelt?
00:02:10: Schon relativ früh, also die Diagnose habe ich erst letztes Jahr bekommen, mit zwei und dreißig.
00:02:15: Also relativ spät, das passiert vielen Frauen, dass sie die Diagnose erst im Erwachsenenalter bekommen.
00:02:21: Und gemerkt habe ich es aber relativ früh, da wusste ich noch nicht, dass es Autismus ist, aber das ging in der Grundschule eigentlich schon los.
00:02:29: Ich wurde im Grundschulalter schon gemobbt, das hat sich die ganze Schulaufbahn durchgezogen.
00:02:35: Und mir war nie so klar, warum.
00:02:37: Ich habe selber nicht gemerkt, warum ich anders bin.
00:02:39: Aber ich hab immer gemerkt und zu spüren bekommen, dass ich anders bin als andere.
00:02:43: Und du sagst, das gibt eine Diagnose.
00:02:46: Jetzt müssen wir erst mal feststellen, ob das überhaupt eine Krankheit ist.
00:02:49: Aber du wurdest sozusagen mit diesem Begriff belegt.
00:02:53: Du sagst als ... Erwachsene erst, also recht spät und ja auch typisch bei Frauen.
00:02:58: Kannst du das nochmal genauer erklären?
00:02:59: Wie kam es dazu?
00:03:01: Wer hat dir diese Diagnose verpasst?
00:03:04: Ich hatte einen relativ hohen Leidensdruck, weil ich, wie ich ja eben schon gesagt habe, auch früh schon gemerkt habe, dass irgendwas mit mir ein bisschen anders ist als bei anderen.
00:03:11: Ich bin nach sozialen Situationen immer sehr erschöpft.
00:03:14: Ich komme mit meinem Alltag mehr... schlecht als recht irgendwie durch und hat mich bisher so durchs Leben geschlagen, aber hatte immer das Gefühl, dass da irgendwas ist.
00:03:24: Und ich habe viele Diagnosen vorher bekommen wie Depression, Angststörung, aber egal, wie sehr das behandelt wurde, es ging nicht weg.
00:03:31: Also du bist zu Psychiatin oder Psychologen gegangen oder zum Hausarzt und zu sagen, irgendwas stimmt mit mir nicht, was habe ich denn?
00:03:37: So ungefähr, also ich hatte mal eine sehr depressive ... Episode in meinem Leben und bin dann erst zu meinem Hausarzt gegangen.
00:03:45: Der hat mich dann an einen Psychiater verwiesen.
00:03:48: Da wurde ich dann auch Medikamentus eingestellt.
00:03:51: Und es wurde aber nur bedingt besser.
00:03:53: Also antidepressiver bekommen?
00:03:55: Genau, richtig.
00:03:56: Wie
00:03:56: jung warst du da?
00:03:57: Das erste Mal ein Antidepressiver genommen habe ich mit, ich meine, siebenzwanzig.
00:04:03: Genau, weil ich da wirklich diesen Leinstruck nicht mehr ausgehalten habe.
00:04:08: Aber egal, wie sehr dann diese Depression behandelt wurde, dann auch irgendwann in Form von Therapie.
00:04:13: Also ich hab nicht nur Medikamente genommen, sondern war begleitend auch noch in Therapie.
00:04:17: Und egal, wie sehr ich die Themen angegangen bin, auch die vermeintliche Angststörung, es wurde einfach nicht besser.
00:04:24: Und normalerweise ist es so, wenn man Angststörung hat oder auch Depression, das kann man recht gut behandeln.
00:04:29: Medikamentös oder mit Expositionstherapie heißt, man geht in bestimmte Situationen immer wieder rein.
00:04:36: Und die werden dann besser.
00:04:38: Das war bei mir aber nicht der Fall.
00:04:39: Und dann habe ich mich ein bisschen mehr damit beschäftigt, was könnte denn die eigentliche Ursache sein?
00:04:44: Weil ich nie das Gefühl hatte, dass es eine klassische Depression oder Angststörung ist, sondern dass das nur die Spitze des Eisbacks ist.
00:04:51: Und der Rest war irgendwie verborgen.
00:04:53: Und dann bin ich auf das Thema Autismus aufmerksam geworden und auch ADHS durch Social Media und habe mich dann sehr viel damit beschäftigt, viele Bücher darüber gelesen, mit anderen Betroffenen mich mal ausgetauscht.
00:05:05: Und bin das dann in einen Regie angegangen und bin proaktiv auf Diagnostikstellen zugegangen, habe mich da auf Wartelisten setzen lassen und bin so dann letztendlich an die Diagnosen gekommen.
00:05:17: Die auf diese
00:05:18: Diagnose spezialisiert sind.
00:05:20: Genau, richtig.
00:05:20: Weil man würde
00:05:20: ja denken, deine Psychiater, Psychotherapeuten hätten das ja vielleicht auch mal entdecken können.
00:05:25: Ja.
00:05:27: Dachte ich mir auch, da habe ich auch viel darüber nachgedacht.
00:05:29: Das Problem ist so ein bisschen, dass sich viele Symptomatiken auch überschneiden.
00:05:33: Also ich mache da niemanden einen Vorwurf, dass es nicht entdeckt wurde, weil es da einfach so viele Krankheitsbilder gibt, die man eben diagnostizieren kann oder auch falsch diagnostizieren kann und bin dann am Ende zu Spezialistinnen gegangen und war da dann auch gut aufgehoben.
00:05:50: Das ist eine große Leistung, wenn man das auch selber so schafft.
00:05:53: Nicht jeder kann das.
00:05:53: Und deswegen ist ja so Aufklärungsarbeit auch richtig wichtig.
00:05:56: Und war ja für dich dann auch quasi ein nennenswerter Helfer, dass du gesehen hast, andere reden über das Thema und hat dich dann selber ein bisschen dafür aufgeweckt.
00:06:03: Ja, total.
00:06:04: Das war das, was mich letztendlich in diese Richtung gebracht hat.
00:06:09: Ich bin da so dankbar für das.
00:06:10: auch der Grund, warum ich das jetzt heute mache, weil ich eben möchte, dass andere Menschen das auch vielleicht früher entdecken und nicht erst in ihren Dreißigern.
00:06:18: Du hast gesagt, bei Frauen wird das eh später entdeckt oder schwieriger.
00:06:21: Warum ist das so?
00:06:22: Frauen und Mädchen neigen sehr oft dazu, sozial angepasst hat zu sein, weil es bei Jungs, also wenn wir jetzt in Klischees sprechen wollen, bei Jungs okayer ist, wenn sie lauter, wenn sie wild sind oder wenn sie Eigenarten haben oder bestimmte ... Talente, die so in nur eine bestimmte Richtung gehen.
00:06:40: und Mädchen wird ganz oft schon sehr früh eingetrichtet.
00:06:44: Du musst sitzen, musst ruhig sein, musst dich anpassen und ein schönes Kleidchen anziehen und dich so benimm, dass du bloß nicht auffällst.
00:06:53: Und das ist ganz oft der Grund dafür, warum Mädchen oder dann später auch junge Frauen eben nicht so auffällig sind in ihrem Verhalten.
00:07:03: Als du dann Wusstest, was mit dir ist?
00:07:05: Warum du so bist, wie du bist?
00:07:07: Was hat das mit dir gemacht?
00:07:08: Warst du dann erleichtert?
00:07:09: Hast du dein Selbstbild verändert?
00:07:11: Wie ist das dann so eine Diagnose zu bekommen?
00:07:14: Ja, im ersten Moment war es total erleichtern, weil ich es mir schon gedacht habe.
00:07:19: Ich hatte den Verdacht schon mehrere Jahre, bevor ich dann in der Diagnostik saß.
00:07:23: Und nicht erleichtert im Sinne von, oh, ich habe etwas, sondern ... Ich weiß endlich, was mit mir los ist.
00:07:28: Und jetzt kann ich endlich das angehen, danach handeln und vielleicht ein Leben führen, was für mich entspannter wird.
00:07:35: Und dann ging so ein Prozess los von ... Ich hab auch ganz viele Situationen dann aus meiner Kindheit angefangen, noch mal ganz anders zu betrachten.
00:07:45: Und musste da erst mal ein bisschen Mitgefühl mit mir selber entwickeln, dass manche Dinge in meinem Leben nicht so gelaufen sind wie bei anderen.
00:07:51: Und das war eine Mischung aus erst mal viel ... Erst Wut, dass es nicht früher erkannt wurde, dann auch eine gewisse Trauer, um ein Leben, was ich hätte haben können.
00:08:03: Und mittlerweile habe ich da so mein Frieden mit.
00:08:06: Und ja, das war aber ein langer Prozess, den ich da irgendwie durchgegangen bin.
00:08:09: Du hast jetzt so ein bisschen über das Haar dann und auch das Unglück, die Wut gesprochen.
00:08:13: Aber gibt es denn auch Aspekte, wo du sagst, wow, ich bin eigentlich richtig cool.
00:08:16: Und bei mir ist etwas sehr besonders, auch positiv besonders.
00:08:19: Mittlerweile auf jeden Fall, da habe ich so ein paar Sachen gefunden.
00:08:23: habe mich da lange Zeit ein bisschen schwer mitgetan und habe erst nur das Negative gesehen, weil es eben auch ein hoher Leinstruck im Alltag auch nach wie vor ist.
00:08:30: Das ist nichts, was einfach weggeht oder behandelbar ist.
00:08:34: Und ich finde, dass ich dadurch, dass ich viele Sachen sehr bewusst machen muss, die andere einfach so von der Hand gehen, vielmehr darüber nachdenke, wie wirklich auf andere.
00:08:47: Also es kann auch sehr anstrengend sein, aber ganz oft finde ich das eben auch positiv, viel mehr darüber nachdenken, was sage ich zu anderen, wie verhalte ich mich und dadurch auch sehr rücksichtsvoll gegenüber anderen Menschen bin.
00:09:01: Du
00:09:01: bist also sehr reflektiert, muss man sagen.
00:09:04: Würde ich behaupten, ja.
00:09:06: Es gibt
00:09:06: ja diesen Begriff Autismus, Spektrum, Störung eigentlich.
00:09:10: Das wäre so der Fachbegriff, abgekürzt ASS.
00:09:14: Und ich würde von dir gerne, du bist jetzt nicht hier als Expertin, sondern als Betroffene, aber schon ein bisschen... eine Hilfe haben beim Einordnen, weil ich bin ja Ärztin noch in der Praxis.
00:09:24: Ich hab Patienten, die haben auch Autismus oder leiden unter Autismus oder sind Autisten.
00:09:29: Du hast gesagt, man ist ein Autist und leidet nicht unter Autismus.
00:09:34: Aber die sind sehr schwer eingeschränkt im Leben.
00:09:36: Die sind fast wirklich eine Behinderung.
00:09:38: Die können gar nicht alleine leben, können sich nicht um sich kümmern, brauchen immer jemanden.
00:09:43: Und das ist ja jetzt eine ganz andere Art von Einschränkung als du.
00:09:47: Du wirkst ... funktionierend.
00:09:50: Wir unterhalten uns ganz normal, du gehst ein Beruf nach, du hast dein Leben im Griff, auch wenn du selber leidest.
00:09:57: Wie kann es sein, dass das alles Autismus ist?
00:09:59: Vielleicht kannst du ein bisschen darüber was erklären.
00:10:01: Wie das sein kann, also das ist eine Frage, die eher an Expertinnen wahrscheinlich gehen sollte.
00:10:08: Meines Wissens nach ist es so, dass bis vor, ich glaube, ein oder zwei Jahren wurde die Diagnose noch so gestellt, dass es in so drei oder vier verschiedene Autismus-Typen unterteilt wurde.
00:10:19: Das ist jetzt erst relativ frisch, dass es eben als Autismus-Spektrum Störung diagnostiziert wird.
00:10:24: Ich habe nämlich noch beide Diagnosen bekommen.
00:10:26: Ich habe auf meinem Zettel steht asberger.com.
00:10:32: Das ist noch ein bisschen nach den alten Diagnose-Kriterien gewesen.
00:10:35: Ja, das Spektrum ist groß und das ist auch eines der häufigsten Vorurteile, die mir so begegnen.
00:10:39: Wenn ich sage, dass ich Autistin bin oder auf Social Media drüber spreche, dann ist so einer der ersten Kommentare, der kommt, ja, weil du kannst ja ganz normal reden und normale richtige Autisten können das nicht.
00:10:50: Und ich kann das auch verstehen, weil das das Bild ist, was man vor allem auch in Film und Fernsehen einfach immer dargestellt bekommt und weil die Forschung da auch noch nicht ganz so weit war.
00:11:01: auch immer noch nicht ist und sich das jetzt so langsam entwickelt.
00:11:05: und man merkt, Neurodivergenz generell ist ein großes Spektrum und da fallen dann eben Sachen drunter wie Autismus oder ADHS oder Hochbegabung zum Beispiel.
00:11:14: Es gibt auch Autistinnen wie mich, die im Leben ganz gut klarkommen.
00:11:20: Natürlich habe auch ich einen Leinstruck, aber ganz anderen.
00:11:22: Also das ist mir auch immer wichtig, das zu sagen, dass es natürliche Menschen gibt, die sind noch viel stärker davon betroffen.
00:11:28: Mir ist aber auch wichtig, dass das kein Wettkampf wird.
00:11:30: Wer ist jetzt irgendwie der dollere Autiste, die schlimme Autisten oder die bessere Autisten?
00:11:38: Da liege ich ganz großen Wert drauf, weil wir sind alle irgendwie davon betroffen und jeder auf seine Art und Weise.
00:11:44: Wenn man einen Autisten oder eine Autistin kennt, dann kennt man genau eine Autistin.
00:11:48: Ja, also das heißt, wir lernen, es gibt ein Überbegriff.
00:11:52: Da gibt es aber verschiedene Klinische oder Symptomen-Komplexe.
00:11:56: Also das heißt, Menschen können ganz unterschiedlich krank oder gesund sein, funktionieren im Leben, nicht funktionieren, klar kommen oder nicht klar kommen.
00:12:04: muss man sich im Einzelnen mit beschäftigen.
00:12:06: und diese Klassifikation, die du sagst, die ist wissenschaftlich neu.
00:12:10: Das heißt, man wird betroffenen besser gerecht.
00:12:13: Das hoffe ich.
00:12:15: Es bewegt sich gerade in die Richtung auf jeden Fall, dass auch immer mehr mit Vorurteilen aufgeräumt wird, vor allem auch durch soziale Medien.
00:12:23: Es gibt auch immer mehr Literatur dazu, die keine Fachliteratur ist.
00:12:27: Das war für mich vor drei oder vier Jahren noch super schwierig, Bücher zum Beispiel zu finden, die von Betroffenen selbst sind, mit denen ich mich vielleicht auch identifizieren kann.
00:12:35: Also ich musste mich noch durch.
00:12:37: Fachliteratur wälzen, um so ein genaueres Bild zu bekommen.
00:12:40: Das war auch interessant.
00:12:42: Aber ich merke, dass sich das auch dahingehend verändert, dass immer mehr Menschen da ganz offen darüber sprechen, was sie für Erfahrungen im Alltag machen.
00:12:50: Jetzt
00:12:50: hast du noch mehrere Begriffe benutzt.
00:12:52: Zum Beispiel hast du Asperger einmal erwähnt und auch ADHS.
00:12:56: Kannst du sagen, ob das was mit dir zu tun hat oder ob das Fehldiagnosen waren oder warum?
00:13:00: Warum hast du das jetzt erwähnt?
00:13:02: Also ADHS, die Diagnose habe ich auch bekommen.
00:13:05: Auch im letzten Jahr, also letztes Jahr habe ich beide Diagnosen bekommen.
00:13:08: Also
00:13:08: Aufmerksamkeits, Defizit, Hyperaktivitätssyndrom.
00:13:14: Genau, richtig.
00:13:14: Haben wir auch in diesen Folgen hier auch schon mal behandelt, das Thema.
00:13:17: Die habe
00:13:17: ich gehört, die war auch sehr spannend mit einer Kollegin von mir.
00:13:22: Genau, also die ADHS Diagnose habe ich auch im letzten Jahr bekommen.
00:13:25: Das wird auch ganz häufig mittlerweile als Doppeldiagnose, ADHS und Autismus zusammen vergeben, weil es da... Ich kann die genauen Zahlen nicht nennen, aber es gibt auf jeden Fall viele Autistinnen, die ADHS haben.
00:13:40: Und Asperger, also ich persönlich... identifiziere mich mehr mit dem Begriff der Autismus-Spektrum-Störung.
00:13:47: Da fühle ich mich irgendwie ein bisschen wohler mit diesem Label, wenn man so nennen möchte.
00:13:52: Aber du
00:13:52: hast ja vorhin nämlich auch schon gesagt, es gibt auch ganz viele Vorurteile.
00:13:55: Und das liegt vielleicht auch daran, weil es so unterschiedliche Ausprägungen von autistischen Störungen gibt.
00:14:01: Du hast auch schon was von übermäßiger Begabung, Hochbegabung gesagt, du hast was... vielleicht auch von Inselbegabung angedeutet.
00:14:09: Es gibt ja da diese Mathe-Genies, die im Film vorkommen oder dass Menschen auch total sozial umgeschickt sind, dass sie nie Blickkontakt haben, dass sie sich auch nicht berühren lassen möchten, vielleicht dass sie sogar auch gar nicht empathisch sind.
00:14:24: Kannst du da erklären, was daran Klischee ist, was sind Vorurteile, was sind Mythen?
00:14:31: oder ist das alles möglich?
00:14:33: Also das ist schon grundsätzlich alles möglich, die Vorurteile kommen ja nicht.
00:14:36: von ungefähr.
00:14:38: Die haben alle schon ihren Ursprung und ihre Darsehensberechtigung ist aber ein ziemlich überzeichnetes Bild von Autismus.
00:14:46: Das Mathe-Genie, meistens ein Mann.
00:14:50: Ich sehe nicht aus wie Schelden Cooper, deswegen kann ich kein Autistin sein.
00:14:53: Ich kann normal in Anführungszeichen mit Menschen mich unterhalten.
00:14:58: Das sind schon ziemlich starke Klischees, die auch immer noch herrschen.
00:15:04: Was die Menschen aber nicht sehen, ist ja der Leidensdruck, der dahinter herrscht, weil ich kann das alles.
00:15:08: Aber ich weiß, dass ich zum Beispiel nach diesem Gespräch, ich werde wahrscheinlich ein, zwei Tage Minimum im Bett liegen danach.
00:15:15: Also da mache ich die Vorhänge zu und das ist aber okay für mich.
00:15:19: Also ich weiß das mittlerweile und kann mich darauf einstellen und dann abwägen, was nehme ich in Kauf, was ist mir wichtig, welche sozialen Kontakte zum Beispiel sind mir auch wichtig.
00:15:28: Man wird dann sehr selektiv mit Freundschaften.
00:15:32: Also unser Miteinander raubt dir Kraft.
00:15:33: Ich komme hinterher, erfrischt raus und bestärkt und sagt, wow, was für eine interessante Frau, was sie mir wieder beigebracht hat.
00:15:38: Und du hast gesagt, oh, das war ermüdend.
00:15:41: Es ist weniger das Miteinander, weil das mag ich sehr.
00:15:44: Es geht eher darum, dass sehr viele Prozesse bei mir jetzt im Hintergrund ablaufen, wie zum Beispiel was sage ich, wie sage ich es, gucke ich genug in die Augen.
00:15:57: Und ja, ich mache mir einfach im Hintergrund sehr viele Gedanken und das ist für mich sehr, sehr anstrengend.
00:16:02: Also egal, ob das jetzt so eine soziale Interaktion ist, dann zum Beispiel noch die Beleuchtung, Gerüche, dass alles sind Sachen, die ich nicht so gut filtern kann.
00:16:11: Das passelt bei mir alles auf einmal ein.
00:16:15: Mein System kann das nicht filtern und das merke ich danach dann auch.
00:16:18: Du hast mir ja vor unserem Gespräch gesagt, Achtung, es könnte sein, dass ich dir nicht so viel in die Augen schaue.
00:16:24: Das fand ich bemerkenswert.
00:16:25: Ist das für dich eine Strategie, anderen Menschen vorzusagen Achtung?
00:16:29: Ich ticke vielleicht ein bisschen anders.
00:16:30: Achtung, ich gucke dir nicht in die Augen bitte, nimmst du nicht persönlich?
00:16:33: Wenn ich das Gefühl habe, wenn der Raum dafür da ist, dann versuche ich das zu machen.
00:16:39: Ich muss mich mit der Person aber auch wohlfühlen.
00:16:41: Es gibt auch Menschen, da sage ich das definitiv nicht, da spreche ich das nicht an.
00:16:45: Weil mir das dann auch selber noch unangenehm ist oder mit Schambehaftes, da kämpfe ich mich dann sozusagen durch.
00:16:51: Und es gibt auch bei Menschen, da habe ich direkt das Gefühl, okay, hier kann nicht ich sein.
00:16:55: Ich kann das dazu sagen.
00:16:56: Und ich glaube, das ist auch der Grund, warum es mir dann nicht so schwer fällt, vielleicht auch mal in die Augen zu schauen.
00:17:01: Weil ich mich dann ein bisschen fallen lassen kann.
00:17:04: Es gibt aber auch Personen oder Situationen, in denen das eben nicht der Fall ist oder vielleicht auch nicht angebracht ist, weil es vielleicht ein bisschen professionellerer Kontext ist oder die Menschen mir irgendwie nicht das Gefühl geben, hier ist jetzt der Raum, damit du das sagen kannst.
00:17:21: Das alles, was du sagst, finde ich eigentlich ganz schön menschlich und würde eigentlich jedem aus der Seele sprechen, glaube ich, dass man auch Vertrauen braucht für manche Dinge, die einem näher sind, die man über sich Intimes loslässt.
00:17:32: Und hast du noch mal zu dem Punkt Empathie-Möglichkeit noch eine Meinung?
00:17:37: Hast du das Gefühl, du wärst jetzt oder ist das ein Vorwurf an dich?
00:17:40: Du wärst nicht empathisch genug als Autistin oder ist das an den Haaren herbeigezogen?
00:17:47: Also in meinem Fall jetzt, ich bin ja nur Expertin für mich selbst.
00:17:53: Ich habe schon ein Problem mit Empathie manchmal.
00:17:57: Ich kenne aber auch Betroffene, die definitiv sehr empathisch sind.
00:18:01: Ich dachte, mein Leben lang, ich wäre relativ empathisch.
00:18:05: Ich habe aber sehr oft gespiegelt bekommen, dass ich es nicht bin.
00:18:08: Was ich mit Empathie verwechselt habe, war so ein bisschen das Thema Mustererkennung, nennt sich das.
00:18:13: Ich bin relativ gut darin, sehr schnell Verhaltensabweichung von Menschen zu erkennen, die ich gut kenne.
00:18:18: Das muss auch nur eine Textnachricht sein.
00:18:20: Ich sehe sofort, ich spüre sofort, wenn jemand anders schreibt als sonst.
00:18:26: Durch ganz kleine Sachen wie andere Satzzeichen, andere Emojis oder sowas.
00:18:31: Und ich dachte immer, das wäre Empathie.
00:18:34: Ich habe jetzt aber gelernt, ist es gar nicht so wirklich.
00:18:37: Und auch mein Umfeld spiegelt mir.
00:18:38: Also ich bin jetzt nicht super unempatisch und ich kann auch bestimmte Gesichtsausdrücke nicht so gut deuten, aber so sehr große Emotionen wie lachen, weinen, die verstehe ich.
00:18:50: Und da kann ich dann auch drauf reagieren, aber auch eben nur mit so einem Skript, was ich in meinem Kopf hab.
00:18:54: Also das passiert nicht so unterbewusst und automatisch, dass ich sofort weiß, was zu tun ist, sondern ich hab dann so mein Programm im Kopf, wo ich weiß, okay, ich biete vielleicht mal einen Taschentuch an oder möchtest du ein warmes Getränk?
00:19:08: Also das ist schon... Du hast
00:19:09: gelernt, wie man mit Situationen umgeht.
00:19:11: Genau, ja, das beschreibt es ganz gut.
00:19:14: Und ist das Thema Gefühl für dich ein Thema?
00:19:17: Also du wirkst ganz... Wie gesagt, liebevoll auch im Gespräch und auch dir gegenüber, respektvoll.
00:19:25: Also du zeigst Eigenschaften, die mit Gefühlen in Verbindung stehen.
00:19:29: Du wirst sicherlich ein Mensch sein, der geliebt wird und dann lieben kann.
00:19:32: Also was bedeuten Gefühle für eine Autistin?
00:19:36: Für dich persönlich.
00:19:37: Gefühle
00:19:38: für mich persönlich sind oft ganz schön verwirrend.
00:19:41: Es fällt mir sehr schwer, meine Gefühle zu deignen.
00:19:44: Ich hab's mittlerweile gut gelernt.
00:19:46: Auch das ist wieder was, was ich mir so angeeignet hab.
00:19:48: Aber es gab auch Zeiten in meinem Leben, da wusste ich selber oft gar nicht genau ... Also, ich wusste, dass ich was fühle.
00:19:54: Aber ich konnte gar nicht einordnen, was ist das jetzt?
00:19:57: Ist das Wut?
00:19:58: Ist das ... Was ist es jetzt?
00:20:01: Also, diese ganz großen Emotionen wie, wenn ich weine, dann weiß ich, ich bin anscheinend traurig.
00:20:05: Aber oft hab ich diesen Zugang dazu gar nicht so richtig gehabt.
00:20:09: Das ist aber auch was, was ... ich auf jeden Fall irgendwie lernen konnte, auch mit Therapie.
00:20:14: Und es gibt auch so ganz klassisch, was eigentlich Kinder benutzen, so Gefühlsräder, wo man dann verschiedene Worte für die Emotionen stehen hat.
00:20:22: Und dadurch gelingt mir das ganz gut.
00:20:23: Aber ich bin auch ganz oft in Situationen, z.B.
00:20:25: mit meinem Partner.
00:20:27: Er weiß vor mir, was ich warum fühle.
00:20:29: Also ich weiß, dass ich was fühle, aber er kann mir schon ganz genau sagen, ja, ist es jetzt das passiert?
00:20:33: Und deswegen fühlst du dich jetzt so.
00:20:35: Und ich bin so, ach ja.
00:20:36: Ja, du hast recht.
00:20:37: Aber wie hilfreich.
00:20:38: Genau, total hilfreich.
00:20:40: Ja, ist so ein bisschen mein Kompass.
00:20:42: Aber Gefühle sind für mich oft noch etwas verwirrend.
00:20:47: Ja.
00:20:47: Aber schön, dass man das so delegieren kann und dann gemeinsam Gefühle entdecken kann.
00:20:51: Ja, praktisch.
00:20:51: Ich würde sich nach einer guten Strategie an.
00:20:54: Gutes Team.
00:20:55: Wir machen jetzt ein kleines Spiel.
00:20:56: Und zwar stelle ich entweder Oder-Fragen und da kannst du ganz spontan einfach antworten.
00:21:01: Klarstrukturierte Tage.
00:21:03: oder Raum für Spontanität.
00:21:06: Das ist sehr schwierig.
00:21:07: Ich sage jetzt klar strukturierte Tage.
00:21:09: Mein ADAS-Anteil ist aber, also ich mag beides, eine Mischung aus Beiben.
00:21:15: Aber es ist ja entweder oder.
00:21:16: Deswegen dann doch die Präferenz zu klar strukturierten Tagen.
00:21:20: Eins zu eins Gespräche
00:21:21: oder
00:21:22: Gruppenrunden?
00:21:23: Eins zu eins Gespräche.
00:21:25: Weil weniger Stress.
00:21:27: Gruppen sind oft auch ganz hilfreich, weil ich da ein bisschen mehr untergehen kann.
00:21:32: Kann aber auch überfordernd sein, wenn ich dazu gezwungen bin, teilzunehmen.
00:21:36: Ich liebe deine
00:21:36: Erklärung.
00:21:37: Ich finde das richtig gut.
00:21:39: Lieber schreiben oder sprechen?
00:21:41: Lieber schreiben.
00:21:43: Und wenn du dann auf Social Media so toll sprichst, man kann dir ja auch folgen, dann denkt man, wow, die kann aber gut reden.
00:21:48: Danke.
00:21:49: Das heißt, du bist kontrafobisch, würde man in der Psychotherapie diesen Begriff, du stellst dich deinen Sorgen und Ängsten, indem du es genau erst recht machst.
00:21:58: Ja, und es mir auch vorher aufschreibe, was ich sagen möchte.
00:22:01: Aha, okay.
00:22:02: Genau.
00:22:03: Direkte Ehrlichkeit oder höfliche Umschreibungen?
00:22:06: Direkte Ehrlichkeit.
00:22:08: Wie sieht es bei dir aus?
00:22:09: Spezialinteressen vertiefen oder ganz neues Mal ausprobieren?
00:22:13: Spezialinteressen
00:22:14: vertiefen.
00:22:15: Also ein Diebdiver.
00:22:17: Ja, auf jeden Fall.
00:22:18: Also ich habe da so meine zwei, drei Themen, die ich gerne mag und da gehe ich auch gerne immer wieder rein.
00:22:25: Auch da wieder spielt das ADHS auch mit rein.
00:22:28: Ich mag auch schon mal neue Sachen auszuprobieren.
00:22:30: Das Problem ist nur, es stresst mich dann sehr.
00:22:33: Ja.
00:22:34: Aber gib mal ganz kurz ein Beispiel, wo du so tiefer eintauchst.
00:22:37: Was sind so deine Leidenschaften?
00:22:38: Meine Leidenschaft ist schon, bevor True Crime ein Ding war, war True Crime mein Spezialinteresse.
00:22:44: Also eigentlich seit ich ein Kind bin, habe ich gerne so Sachen, wie sie es einmal ja mir und so geguckt und Kriminalbücher gelesen.
00:22:51: Also das ist so eins meiner Spezialinteressen.
00:22:54: und Brücken.
00:22:55: Brücken?
00:22:56: Und Flugzeuge.
00:22:57: Aha.
00:22:58: Schön, interessant.
00:23:00: Also so die Ingenieurskunst dahinter, oder?
00:23:04: Ja, auch.
00:23:04: Und was so für eine Geschichte diese jeweilige Brücke zum Beispiel hat, wie die entstanden ist, warum die entstanden ist, aus welchem Grund sollte jetzt diese Orte mit dem Ort verbunden werden.
00:23:16: Und auch einfach, ich finde, Brücken irgendwie sehr ästhetisch.
00:23:19: Gucken wir die gerne an.
00:23:20: Zuhause Kraft auftanken oder draußen Energie bekommen.
00:23:25: Zuhause Kraft tanken.
00:23:28: Ja,
00:23:28: finde ich auch.
00:23:30: Welchen Herausforderungen siehst du dich jeden Tag im Alltag ausgesetzt als Autistin?
00:23:35: Was sind die schwierigsten Situationen?
00:23:37: Die schwierigsten Situationen für mich sind alles, was draußen stattfindet und das meiste, was draußen stattfindet, wie Einkaufen gehen.
00:23:47: ins Café gehen oder so was zum Beispiel, mit Freunden treffen, alles was außerhalb meiner Führwette stattfindet oder nicht an Orten, in denen ich mich extrem wohl fühle.
00:23:58: Und da die größte Herausforderung ist wiederum, dass in Supermärkten, also da sind so viele Menschen, alle riechen anders, alle gucken anders, alle bringen so eine bestimmte Energie mit, dann ist da meist grelles Licht, ganz viele Geräusche.
00:24:16: von Gesprächen, manche telefonieren, manche unterhalten sich an der krasse Pieps, dann schreit im Hintergrund ein Baby.
00:24:24: Und das nehme ich alles auf einmal wahr.
00:24:26: Und ich bin nach dem Einkaufen komplett platt und kann erst mal zwei Stunden schlafen.
00:24:32: Wie gut, dass es heute Lieferservice gibt, oder?
00:24:34: Ja, das ist mein Lebensretter gewesen.
00:24:37: Und welche Strategien entwickelst du oder Routinen, um irgendwie dann durch solche normalen Alltage zu kommen?
00:24:44: Ich gehe nie ohne Noise-Canceling-Kopfhörer aus dem Haus.
00:24:48: Das ist auch so eine Technologie, die ich sehr dankbar bin.
00:24:52: Die habe ich immer dabei.
00:24:54: Dann zum Beispiel so ein Fidget-Toy.
00:24:58: Zeig das mal hoch.
00:24:59: Das finde ich nämlich wunderschön, was du die ganze Zeit in der Hand hast.
00:25:01: Und ich wollte dich auch fragen, was das ist.
00:25:04: Ja, das ist ein Fidget-Toy.
00:25:05: Das ist so ein kleiner Ball.
00:25:06: Da kann man die Kugeln auch auseinanderziehen oder auch, was ich gerne mache, einfach ganz leicht dran drehen.
00:25:13: Genau.
00:25:14: Man kann's mitgeräuschen machen oder ohne.
00:25:15: Ich mag's lieber ganz... Genau.
00:25:18: Wunderschön.
00:25:19: Und das hab ich... Das hat meine Schwester mir geschenkt zu meiner Diagnose zum Diagnose-Geburtstag.
00:25:26: Und das hab ich dann in meiner Jackentasche einfach dabei oder immer irgendwas, wo ich mit den Händen dann rumfummeln kann.
00:25:33: Genau.
00:25:34: Und das sind so meine Strategien.
00:25:38: Gegen starke Gerüche habe ich dann auch so ein Minzöl immer dabei.
00:25:42: Habe bist du sehr geruchsempfindlich.
00:25:44: Du hast es schon jetzt öfter erwähnt.
00:25:45: Das heißt, Menschen stinken wir auch öfter mal.
00:25:47: Ja.
00:25:48: Sie müssen gar nicht stinken, aber sie können, das kann einfach nur ein paar Filmen sein oder ein Waschmittel, was mich dann sehr überreizt.
00:25:57: Und dann muss ich auch ganz oft aus dem Geschäft gehen oder den Einkauf abbrechen.
00:26:00: Ich habe heute auch paar Fahre drauf.
00:26:01: Riechst du das jetzt?
00:26:02: Nee, ja.
00:26:02: Oh Gott, sei Dank.
00:26:03: Also nicht unangenehm wahrgenommen.
00:26:05: Okay, Gott sei Dank,
00:26:06: okay.
00:26:06: Ja, das ist interessant, man will ja auch nichts falsch machen als deine Umwelt, die das respektieren will.
00:26:12: Ja, da fällt es mir noch schwer, da Rücksicht so einzufordern, weil ich finde, jeder Mensch sollte ja auch natürlich... irgendwie sein Lieblingspaar Film tragen können.
00:26:24: oder ich kann jetzt nicht in Supermarkt gehen und hoffen, dass alle Menschen auf mich rücksicht nehmen.
00:26:29: Aber es gibt auch Supermärkte, die zum Beispiel stille Stunden anbieten.
00:26:33: Also bei mir in der Gegend leider nicht, aber ich hab davon gehört, wo dann das Licht gedimmt ist, keine Musik läuft.
00:26:39: Und das ist ja schon mal ein erster Schritt in die Richtung für Menschen, die da ein bisschen empfindlicher sind, sensibler sind.
00:26:44: den da entgegenzukommen.
00:26:45: Du
00:26:46: bist jetzt erfolgreiche Content-Creatorin und du klärst viele Menschen auf, du hilfst vielen Menschen, du bist auch eine kluge Frau, also hast viel Bildung genossen.
00:26:54: Man fragt sich schon, wie beeinflusst jetzt aber doch der Autismus, deine Art zu arbeiten?
00:27:00: Gibt es da Unterschiede oder dein Arbeitsstil?
00:27:03: Ja, das ist mit der größte Grund dafür, dass ich mich selbstständig gemacht habe, weil ich in einem angestellten Verhältnis nicht so gut klargekommen bin, also mit vielen Dingen nicht, mit einem Büro, was ich mit anderen Leuten teilen muss, mit Telefonieren, zum Beispiel nicht.
00:27:18: Mir fällt es auch sehr schwer, mich Autoritäten unterzuordnen und Dinge zu befolgen, ohne die Sinterfrank zu dürfen.
00:27:27: Das widerspricht meiner Natur und ist der Grund, warum ich mich dann letztendlich selbstständig gemacht habe, weil ich da auch meine Arbeitszeit frei einteilen kann, weil es da okay ist, wenn ich ein paar Stunden zwischendurch brauche, um wieder Energie zu sammeln und ich da mich nicht direkt krank melden muss zum Beispiel.
00:27:48: Also ich bin einfach viel flexibler in meiner Arbeitszeitgestaltung.
00:27:52: Ich mache etwas, was ich als Sinnhaft empfinde und damit komme ich ganz gut zurecht.
00:27:58: Es ist nach wie vor sehr fordernd, vor allem weil ich mich auch selbst sehr gut strukturieren muss.
00:28:06: In der Selbstständigkeit darf man auch nicht so lange ausfallen, weil wenn man nicht arbeitet, verdient man natürlich auch kein Geld.
00:28:10: Aber für mich überwiegend die Vorzüge der Selbstständigkeit für meinen Arbeitsalltag, wie ich den so brauche.
00:28:17: Wie bist du denn so vom Typ her?
00:28:18: Bist du eher so ganz ordentlich und alles muss seinen Platz haben oder hast du eher so ein kreatives Chaos?
00:28:22: und wie sieht es aus mit Pünktlichkeit?
00:28:24: bist du immer on time, fünf Minuten zu früh oder dürfen es auch mal zehn Minuten später sein?
00:28:28: Also bei der Pünktlichkeit ist es so entweder bin ich extra... Trämpünglich und viel zu früh, also bis zu eine Stunde zu früh, damit ich mich auf den Ort, wenn ich den noch nicht kenne, irgendwie einstellen kann, schon mal ankommen kann.
00:28:40: Mit Menschen, die ich sehr gut kenne, bin ich dann aber leider auch manchmal ein bisschen chaotisch und dann auch zu spät.
00:28:45: Das ist dann wieder diese Mischung aus ADHS und Autismus, über die ich eben schon mal gesprochen habe.
00:28:51: Und bei Chaos, ich kann schon auch mal chaotisch sein, aber ich räume danach ... immer wieder alles auf.
00:29:00: Also es ist eben diese Mischung bei mir, weil ich brauche schon, ich kann während ich an etwas arbeite oder so, kann ich Chaos ertragen bis zum gewissen Punkt.
00:29:10: Es muss danach aber wieder ordentlich sein.
00:29:12: So, und jetzt möchten wir dich in Mission für das Thema haben.
00:29:15: Das heißt, deine Wünsche, Forderung an Gesellschaft, an Forschung, an Politik.
00:29:21: Was darf sich ändern?
00:29:22: Was muss sich ändern, damit Autisten in dieser Gesellschaft einen Platz haben, der ihnen auch komfortabel ist?
00:29:28: Ich würde mir sehr wünschen, dass wir Betroffenen mehr zuhören, statt Vorurteile zu haben.
00:29:36: Beziehungsweise ist es ja okay, dass man diese hat.
00:29:38: Die werden einem irgendwie mitgegeben, aber dass Menschen diese auch hinterfragen.
00:29:43: und bereit dazu sind, Betroffenen, wenn sie schon darüber sprechen, auch wirklich zuzuhören, nicht direkt von sich dann auf den anderen zu schließen und zu sagen, ach ja, ich bin auch manchmal ein bisschen müde und erschöpft, wenn ich mich mit Freunden getroffen habe, sondern auch mal ein bisschen mehr Fragen stellen.
00:30:00: Und von Politikforschung und beziehungsweise Forschung vor allem würde ich mir wünschen, dass gerade in Hinblick auf Neurodivergenz bei Frauen mehr geforscht wird, weil das auch die Diagnostik immer noch sehr auf Diagnosekriterien für Männer beruht.
00:30:17: Und viele Frauen und diagnostiziert bleiben ganz, ganz lange, weil diese Diagnosekriterien noch nicht so ganz zeitgemäß sind und nicht auch an Frauen und Mädchen angepasst sind.
00:30:28: Ja, und dann geht es noch um das bessere Miteinander zwischen den neurotypischen und den neurodivergenten.
00:30:34: Also neurodivergenz, das haben wir ja auch schon gelernt, betrifft viele Menschen auf unterschiedliche Weise und das ist ganz gut, so ein etwas nicht so krank machenden, pathologisierenden Überbegriff zu haben.
00:30:45: und da gehört ADHS dazu, da gehört Autismus dazu.
00:30:48: und die Frage ist ja sowieso, ob es neurotypische Menschen gibt oder ob wir nicht alle unsere speziellen Seiten haben, mal mehr oder weniger mit Leidensdruck verbunden.
00:30:56: Aber vielleicht hast du ein paar Tipps für Leute im Umgang mit dir persönlich oder anderen Autisten.
00:31:02: Was kann man besser machen?
00:31:04: Worauf sollen wir achten?
00:31:05: Das ist natürlich super individuell.
00:31:07: Deswegen bin ich immer dafür, die Menschen, die betroffen sind, zu fragen, was brauchst du vielleicht gerade von mir?
00:31:16: Oder, weil ich finde, man kann als Betroffene nicht voraussetzen, dass das ganze Umfeld direkt weiß, was jetzt der perfekte Umgang damit ist.
00:31:23: Aber man kann so ein gewisses Interesse mitbringen und auch so ein Wohlwollen, wie das ja eigentlich generell im Sozialmeiteinander sein sollte.
00:31:31: Und wenn man weiß, jemand hat eben bestimmte Bereiche, in denen er oder sie... sensibler ist, dann darauf mehr Rücksicht zu nehmen und zu fragen, ist die Musik vielleicht zu laut oder sollen wir wohin gewusst ruhiger ist oder dass die betroffene Person vielleicht mal das Café oder das Restaurant aussucht.
00:31:50: Vielleicht ein ganz konkretes Beispiel.
00:31:52: In meinem Umfeld wissen alle, in welches Restaurant ich gerne gehe und die werden auch nicht müde davon mit mir dahin zu gehen.
00:31:58: Das weiß ich einfach total zu schätzen, weil ich weiß, dass andere Menschen gerne neue Orte ausprobieren, aber die wissen halt mit mir, gehen sie dahin und das ist für alle okay.
00:32:06: Und das ist so eine Kleinigkeit, die bei mir viel auslöst.
00:32:11: Und du hast aber auch über deine Kindheit und Schulzeit gesprochen, wo du gemobbt wurdest.
00:32:15: Und das hört man ja leider auch oft.
00:32:17: Wie sollen Lehrer, Eltern, ihre Kinder, Schüler mit Kindern umgehen, die anders sind?
00:32:25: Wie erklärt man das denen?
00:32:27: Wie man das jetzt so auf pädagogische Art und Weise vermittelt, da habe ich auch noch nicht die Lösung für.
00:32:35: Aber es würde schon mal sehr helfen, wenn Kinder zum Beispiel im Unterricht, ich habe früher super gerne rumgekritzelt.
00:32:43: Das war so mein Stimming.
00:32:44: Anstatt jetzt mit einem Fidget-Toy da zu sitzen, habe ich einfach gemalt.
00:32:48: Und mir wurden ständig meine Zeichnungen weggenommen, die Stifte weggenommen.
00:32:52: Ich durfte das nicht machen, obwohl ich am Unterricht teilgenommen habe und auch okay Noten geschrieben habe.
00:32:58: Und ich finde, das wäre so eine kleine Geste, ein kleiner Akt.
00:33:04: der für betroffene Kinder oder Jugendliche eine große Veränderung bringen könnte, weil das hätte mir damals sehr geholfen, wenn ich nicht dafür abgestraft worden wäre, wenn ein Kind vielleicht einfach ein Fidget-Teu dabei haben darf.
00:33:19: Ich weiß nicht, vielleicht ist es mittlerweile an Schulen sogar so, aber das wäre was, was mir sehr geholfen hätte.
00:33:24: Oder auch Neu-Canceling-Kopfhörer.
00:33:27: Man hört ja trotzdem noch, was die Menschen sagen.
00:33:29: Ich könnte die jetzt anhaben und ich trotzdem verstehen, aber es würden ... die lauteren Umgebungsgeräusche ein bisschen gefiltert werden.
00:33:37: Und das wäre auch was, was ich mir vor allem für laute Klassenräume gut vorstellen könnte.
00:33:40: Liebe
00:33:41: Linda, vielen Dank, dass du das alles so intim geteilt hast, so persönlich.
00:33:45: Das ist, glaube ich, auch nicht so leicht.
00:33:46: Das muss man auch erst mal schaffen.
00:33:48: Ich fand das wahnsinnig interessant.
00:33:49: Ich könnte noch stundenlang weiter mit dir reden und von dir lernen.
00:33:53: Aber man kann dir ja folgen auf Social Media.
00:33:55: Großes, großes Dankeschön.
00:33:57: Danke, dass ich da sein durfte.
00:33:58: Das hat richtig viel Spaß gemacht.
00:33:59: Danke.
00:34:01: Das war's für heute.
00:34:02: Die nächste Folge von Ist das noch gesund?
00:34:04: Er scheint in einem Monat.
00:34:05: Und um sie nicht zu verpassen, folge uns gerne in deiner Podcast-App.
00:34:10: Lasse einen Kommentar da.
00:34:11: Insbesondere, wenn es dir gut gefallen hat, gerne auch positiv.
00:34:14: Aber bei Fragen oder Kritik und auch Themenvorschlägen erreichst du uns unter podcast.at.tk.de oder nutze einfach die Social-Media-Kanäle der Techniker.
00:34:24: Danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.
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