Epilepsie: Was passiert bei einem epileptischen Anfall, Dr. Martin Holtkamp?

Shownotes

Was steckt hinter einem epileptischen Anfall*? Wir klären Ursachen, Auslöser und Behandlungsmöglichkeiten bei* Epilepsie*.*

In dieser Folge von "Ist das noch gesund?" spricht Dr. Yael Adler mit dem Neurologen Dr. Martin Holtkamp darüber, wie epileptische Anfälle entstehen und warum sie auf Außenstehende oft beängstigend wirken. Der Experte erklärt, was bei Epilepsie im Gehirn passiert, welche Auslöser eine Rolle spielen können und was die Erkrankung für den Alltag von Betroffenen konkret bedeutet.

Im Gespräch werden unter anderem folgende Fragen beantwortet:

  • Gibt es Alters- oder Geschlechtsgruppen, bei denen Epilepsie besonders häufig auftritt?
  • Wie gefährlich ist Epilepsie für Betroffene?
  • Welche Risikofaktoren können einen epileptischen Anfall begünstigen?
  • Was können Betroffene konkret tun, um die Häufigkeit der Anfälle zu reduzieren?
  • Kann Epilepsie wieder ausheilen?

Weitere Informationen zum Thema gibt es hier:

Was steckt hinter einem Krampfanfall, Dr. Wimmer?

https://www.youtube.com/watch?v=PWEtzHUMCzA

Langzeit-Video-EEG bei Anfallserkrankungen: https://www.tk.de/techniker/2163150

Podcast: Was hilft, wenn Angst das Leben bestimmt? https://www.tk.de/techniker/2124454

Transkript anzeigen

00:00:01: Jedes Gehirn ist in der Lage, dass ein epileptischer Anfall auftaucht und es sich entlädt.

00:00:05: Wenn ich drei Tage nichts trinke, Fieber habe unter Zuckerbinden, werde ich sehr wahrscheinlich mit einem epileptischen Anfall darauf reagieren.

00:00:12: Das Interessante ist, dass epileptische Anfälle selbst begrenzende, selbst limitierende Ereignisse sind.

00:00:17: D.h.,

00:00:18: die hören in neunneunzig, neun, neuen Prozent von alleine wieder auf – das ist für die Patienten natürlich lebensretend!

00:00:23: Das mag es überraschend klingern, aber das ist auch Empfehlung in unserer Epilepsi-Lightlinie von der deutschen Neurologengesellschaft.

00:00:29: Man sollte das filmen mit seiner Handykamera weil dass für den Arzt nachher extrem hilfreich ist wenn er sich so ein Video angucken kann vom Anfall?

00:00:39: Hallo und herzlich willkommen zu.

00:00:40: Ist das noch gesund dem Podcast der Techniker?

00:00:44: ich bin Dr.

00:00:44: Yael Adler Ärztin mit eigener Praxis in Berlin Und heute sprechen wir über Epilepsy eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen.

00:00:53: Viele Menschen haben ein Bild von Epilepsie im Kopf, das oft nur einen kleinen Ausschnitt zeigt.

00:00:59: Den großen so genannten Krampf-Anfall!

00:01:02: Doch die Erkrankung kann auch ganz still und unauffällig sein.

00:01:06: Für Betroffene und Angehörige ist eine Erkrankung oft verunsichernd.

00:01:10: Wie reagiert man bei einem epileptischen Anfall?

00:01:13: Was bedeutet die Diagnose?

00:01:15: Und wie sieht ein Leben mit Epilepsy

00:01:17: aus?!

00:01:18: Diese Fragen beantwortet uns heute Prof.

00:01:20: Dr.

00:01:21: Martin Holtkamp.

00:01:22: Er ist Facharzt für Neurologie, medizinischer Direktor des Epilepsiezentrums Berlin-Brandenburg am evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge und Leiter des Bereichs Epileptologie an der Berliner Charité.

00:01:37: Schön dass Sie bei uns sind, lieber Herr Prof.

00:01:39: Holdkamp.

00:01:40: Sehr gerne!

00:01:41: Vielen Dank für die Einladung.

00:01:43: Gleich zu Anfang haben sie mir gesagt – wir reden nicht von Krampfanfall.

00:01:47: Wovon reden wir?

00:01:48: Und warum reden wir nicht vom Wort Krampfanfall?

00:01:50: Was ist daran

00:01:51: schlecht?!

00:01:52: Das Wort Krampfanfall impliziert ja, dass ein epileptischer Anfall grundsätzlich mit einer krampfenden Körperhaltung einhergeht.

00:01:58: Also eine Anspannung von Arm und Beinen.

00:02:01: Und das ist bei vielen Anfällen so aber bleibe nicht bei allen Anfellen.

00:02:05: Die Mehrzahl der Anfälle sind viel diskreter.

00:02:07: Das heißt Patienten halten plötzlich inne in ihren Handlungsabläufen.

00:02:11: Sie regieren nicht auf Ansprache.

00:02:12: sie starren auf einen Punkt.

00:02:14: Sie haben vielleicht leichte, kauende schmatzende Bewegungen.

00:02:17: Sind aber wach und würden nicht vom Stuhl fallen währenddessen.

00:02:21: und sie können danach sofort weiterhandeln.

00:02:25: Das hat mit Krampfen nichts zu tun, deswegen passt der Begriff krampfanfall nicht.

00:02:28: Aber es gibt auch diese Sorte der Krampfanfälle oder epileptischen Anfälle?

00:02:32: Genau!

00:02:33: Wenn das ganze Gehirn beteiligt ist von der Entladungsaktivität der Nervenzellen dann kommt es zu einer tonischen Anspannung aller Extremitäten für ungefähr zwanzig Sekunden.

00:02:43: Das geht dann über in eine zuckende Bewegung.

00:02:46: wir sagen Kloni für weitere vierzig bis sechzig Sekunden tonisch-klonisch generalisierte Anfall, dauert ungefähr achtzig bis neunzig Sekunden und das ist dann Krampfen.

00:02:58: Ja!

00:02:59: Und trotzdem benutzen wir den Begriff nicht weil er wird so ein bisschen zu Porscheal benutzt.

00:03:03: Sie haben gerade mit ihren Armen mir gezeigt, was ein tonischer Anfall sein kann.

00:03:08: Das heißt sie haben beide Fäuste geballt und die Arme so im Winkel angespannt?

00:03:11: Ist das tonisch?

00:03:13: Ja ist es eher ein Durchstrecken der Arme.

00:03:15: also die Patienten haben sozusagen ganz zu Beginn des Anfalls strecken sich arme und Beine ganz passiv durch.

00:03:20: Die Augen sind weit offen.

00:03:21: man kann also in die Augen gucken was ein wichtiges Kriterium ist um es von Differenzialdiagnosen wie Psychogenanfällen zu unterscheiden.

00:03:28: Also die durch eine Panikattacke oder eine Hysterie

00:03:33: Psychogen bedeutet, das sieht ähnlich aus wie ein epileptischer Anfall.

00:03:36: Aber der Hintergrund sind sozusagen psychische Erkrankungen und psychische Störungen die sich äußern in Form von motorischen Zeichen.

00:03:43: Die aber eine völlig andere Pathophysologie haben als einen epileptischen Anfall.

00:03:47: Jetzt haben sie gesagt, die Person hat gestreckte Gliedmaßen und offene Augen.

00:03:52: Da kämpft man doch noch diesen Zungenbiss.

00:03:54: Genau, weil die Anspannung der Muskulatur betrifft eben nicht nur die Arme und Beine.

00:03:58: Und vielleicht den gesamten Stamm, sondern auch die Kaumuskulatur.

00:04:01: Dann schiebt sich während des Anfalls oft die Zunge so ein bisschen unter die Backenzähne... ...und dann spannt die Kaomuskulation ganz massiv an!

00:04:09: Und man kann es zu einem Zungenbiss kommen was in der Regel aber nur ein Schleimhautbiss ist.

00:04:13: Das heißt die Schleimmhaut, die die Zunge umgibt, die Muskulatur umgibt, die kann angebissen werden.

00:04:18: da kann's auch ein bisschen bluten.

00:04:19: Weil die Patienten dann während des anfalls nicht schlucken und eine starke Speichelproduktion haben kann es dann so ein bisschen zu blubberndem, blutigen Speichel aus dem Mund kommen und da verzwetzt alle Menschen in Panik.

00:04:29: Die das sehen drum herum und ist auch wirklich nicht schön anzuschauen.

00:04:32: Und deswegen glauben viele Menschen sozusagen die Leute können sich die Zunge abbeißen was nie passiert während eines epileptischen Anfalls.

00:04:38: Aber die Leute stürzen hin oder?

00:04:40: Die Leute können während des Anfalls hinstürzen.

00:04:42: Wenn ich jetzt auf meinem Studie sitze und bekäme so einen großen epileptischen Anfall, würde ich nicht sitzen bleiben können.

00:04:47: Ich würde mich nach der Streckung irgendwie zu einer Seite fallen und auf dem Boden liegen und auf den Boden dann weiter die motorischen Zeichen des Anfalts

00:04:53: haben.".

00:04:53: Das heißt sie bleiben eine Weile gestreckt?

00:04:55: Und danach, irgendwie nach ner Minute... Ja,

00:04:57: zwanzig Sekunden, fünfundzwanzig sekunden ist die generalisierte Streckung also von maßgeblichen Extremitäten, von Armen und von Beinen.

00:05:04: Und das geht dann über nach dieser ungefähr knappen halben Minute in die Zuckungen, den klonischen Paar dieses Anfalls, des großen Anfalls und er dauert weitere vielleicht vierzig-fünfzig Sekunden.

00:05:14: Und das Ganze dauert im Durchschnitt neunzig Sekunde.

00:05:16: da gibt es gute Analysen, Videoanalysen und nie länger als zwei Minuten.

00:05:20: Das Gute ist, was interessanter ist, dass epileptische Anfälle selbst begrenzende Selbstlimitieren der Ereignisse sind.

00:05:27: D.h.,

00:05:27: die hören in neunneunzig, neun, neuen Prozent von alleine wieder auf und das ist für die Patienten natürlich lebensreppend!

00:05:33: Wenn das anhalten würde für dreißig Minuten, dann hätten wir einen Status Epileptikus.

00:05:37: Und das geht damit großen Risiken einher auch daran zu versterben.

00:05:40: Aber es kommt fast nie vor!

00:05:43: Und dann wachen die Menschen wieder auf und sind wieder ganz frisch?

00:05:45: Nicht so schnell.

00:05:46: also jetzt reden wir schon die ganze Zeit über den großen epileptischen Anfall... Das ist

00:05:50: ja der, den alle kennen.

00:05:50: Wir kommen nachher noch zu den Details.

00:05:52: ...das

00:05:52: ist der, denen man erst Film kennt und Funk kennt.

00:05:55: D.h.,

00:05:55: die Zeige im Fernsehen immer in den Filmen sozusagen den großen Anfall weil's das dramatische is'.

00:06:00: Wenn er vorbei ist, dann müsste sich die Menschen Erholen davon und in der Regel dauert es zwanzig bis dreißig Minuten, bis man langsam wieder seinen vorherigen Bewusstseinsgrad also die Wachheit erreichte wie er adäquat kommunizieren kann.

00:06:11: Die meisten Patienten fallen in so eine Art Tiefschlaf und vielleicht ein bisschen Schnarchen und so ein bisschen röchelnde Geräusche und werden aber dann langsam besser.

00:06:18: Aber ein kleiner Teil der Patienten zehn, fünfzehn Prozent ist auch unruhig nach dem Anfall läuft in der Wohnung umher.

00:06:23: Und ich hatte gerade heute Morgen meiner Sprechstelle einen Patient berichtete, dass er nach seinem Anfall sogar das Haus verlässt, die Wohnung verlässte unter diesem verwirrten Zustand an auf der Straße rumläuft.

00:06:32: Und da haben natürlich Patienten zurecht auch Angst vor und Sorge davor, und zum Teil schließen sich einfach einversteckenden Schlüssel und hoffen, die finden den nicht.

00:06:40: Aber er wohnt jetzt mit einer anderen Person zusammen und die passt dann sozusagen auf das endlich aus der Wohnung rauslässt.

00:06:45: Also es gibt auch das gegenteilige Verhalten anstatt einen Tiefschlaf zu haben, dass man sehr agitiert ist.

00:06:50: Zum Teil auch aggressives Verhalt in den Taglicht was die Menschen nicht kontrollieren können und damit auch nicht verantwortlich sind dafür.

00:06:56: Und der Tiefschlaf wäre aber auch nur eine halbe Stunde.

00:06:57: Ja, und es

00:06:58: ist wieder langsam besser vor allem wenn man das ist ein gradueller Anstieg wieder zur Besserung können.

00:07:02: Das dauert ungefähr zwanzig bis dreißig Minuten.

00:07:04: je älter die Patienten umso länger dauert diese Phase der Reorientierung.

00:07:08: Aber in der Regel nach dreißzig schwerestens vierzig-fünfzig Minuten sind alle wieder beieinander und können adäquat kommunizieren.

00:07:15: und wir fragen immer Sind sie orientiert zu Ort?

00:07:17: Zu Zeit?

00:07:17: Zur Person?

00:07:18: Um sich herum?

00:07:19: und wenn die die Fragen beantworten können sind sie wieder orientiert.

00:07:21: So, und das war jetzt dieser große epileptische Anfall.

00:07:24: Den kennt man auch unter dem Begriff Grommal?

00:07:26: Das ist richtig!

00:07:27: Das ist in zanter Weise der französische sehr prominente Neurologie und auch eine Epileptologie des Große Böse – Der Große Anfall.

00:07:34: Und als Pendant gibt es den Petimal entsprechend, der kleine böse In Anführungszeichen.

00:07:38: Das sagt man aber heutzutage nicht mehr.

00:07:40: Dann wäre es so dass die Menschen an Tischsitzen kommunizieren, wir weh jetzt hier gerade und ich würde jetzt plötzlich in dem Gespräch innehalten.

00:07:47: Würde auf einen Punkt starren, würde jetzt nicht weiterreden können was sich jetzt mache im Podcast.

00:07:51: Sie würden sagen ihr holt kann was mit ihnen denn los?

00:07:53: Ich würde sie aber nicht hören oder nicht darauf reagieren.

00:07:55: Würden auch auf dem Stuhl sitzen bleiben können habe vielleicht so leichte kauende schmatzende mümmelnde Bewegungen Und es ist vorbei.

00:08:01: nach vierzig fünfzig Sekunden und nach diesen Wir sagen Fokalen anfällen mit Bewusstseinstörung dann wäre ich in der Regel danach sofort wieder reorientiert.

00:08:09: wenn das vorbei ist würde ich ein Wasserglas nehmen Wasser trinken und mit ihnen weiter kommunizieren, um ein Podcast hier weiter fortsetzen können.

00:08:16: Und wie lange wäre die Dauer dieses kleineren Anfalls?

00:08:19: Da ungefähr so dreißig bis fünfzig Sekunden.

00:08:21: Und danach merken Sie irgendwas oder sind sie wieder fideel?

00:08:24: Die Patienten sind dann nach relativ schnell wieder orientiert und beieinander und die Frage ob die diesen Anfall erinnern ist eine sehr wichtige Frage und ungefähr fünfzig Prozent der Patienten erinnernt diesen Anfaltstyp nicht.

00:08:35: das ist für uns total entscheidend weil wenn Patienten diesen An Fall selbst nicht erinner haben wir das Problem, dass wenn Sie viel Zeit alleine verbringen, wie nicht wissen ob sie wirklich anfallsfrei sind ja oder nein.

00:08:44: Weil Sie uns die Erfrage nicht beantworten können.

00:08:46: Deswegen ist es besser, wenn die Patienten diesen Anfaltstyp erinnern dann können wir auch sicher sein, als wenn Sie Alleinezeit verbringen wirklich keine Anfälle hatten oder doch Anfällen hatten und das ist für unsere Anpassung der Therapie sehr entscheidend.

00:08:57: Und da gibt es hier auch noch... Kleine, fokale Anfälle sagen Sie dazu?

00:09:01: Wo sich ein Arm bewegt.

00:09:03: Genau!

00:09:03: Es gibt an Anfällen mit erhaltenem Bewusstsein.

00:09:06: das ist für uns die günstige Variante weil die Patienten sehr genau beschreiben können was dann da passiert.

00:09:11: und das eine sind zum Beispiel motorische Anfelle.

00:09:13: und wenn in dem Areal des Gehirns wo die Motorik gebildet wird da man wegen sich Nervenzellen entladen was ja die Grundlage eines epileptischer Anfalls ist dann würde beispielsweise mein rechter Arm plötzlich steif werden und an langem Anfang zu zucken.

00:09:27: ich wäre aber völlig klar weiterreden, könnt ihr hingucken und das Ganze ist vorbei nach zwanzig bis dreißig Sekunden.

00:09:33: Und dann gibt es ja noch Anfälle die nicht von außen sichtbar sind.

00:09:36: Das nennen wir Auren also eine Aura suggeriert vom Wort dass etwas vor einem Anfall wie eine migräne Aura vor dem Kopfschmerz auftritt.

00:09:45: in der Epileptologie ist aber Aura bereits der epileptische Anfall.

00:09:48: Aber das sind Phänomene, die die Patienten spüren, aber keiner von außen sehen kann.

00:09:53: Also wer eine Aura hat man wegen, die das Gesichtsfeld betrifft?

00:09:56: Der würde dann plötzlich so ein Flimmern auf einer Seite dem Gesichtsfeld sehen.

00:09:59: und aber viel häufiger sind Phenomene wie Déjà-vu-Auren zum Beispiel.

00:10:02: Wir alle kennen das Phänomen von Déjà Vuise also diese ungewohnte irritierende Situation.

00:10:08: Das habe ich gerade schon mal genauso erlebt.

00:10:10: und wir wissen genau dass kann nicht sein nach einer Sekunde noch kann sich davon distanzieren sofort.

00:10:14: Das ist einerseits physiologisch, haben wir alle mal.

00:10:16: Gehälter umso weniger.

00:10:18: aber wenn junger es hat man's mehr dauert drei vier Sekunden.

00:10:21: Man kann sich distanzieren.

00:10:22: Aber wenn das fünfmal im Monat auftritt und zehn sekunden anhält dann kann das schon Hinweis sein auf einen epileptischen Anfall.

00:10:29: Und wenn sich dann aus der Deja-vu-Aura noch eine Abwesenheit entwickelt, nach zehn Sekunden also die Aktivität weiter wandert im Gehirn.

00:10:36: Dann ist das beweisend, dass an dieses Deja vu Phänomen ein epileptischer Anfall ist und das nennt wir alles Aura.

00:10:41: Also Patient spürt etwas aber von außen ist nichts zu sehen.

00:10:44: Da fragen wir ganz bewusst nach und fragen alles ab was uns einfällt bei Patientenberichten nicht spontan über alle Dinge.

00:10:50: da müssen wir ganz konkret danach fragen.

00:10:52: Jetzt haben wir von Ihnen gelernt wie man vielleicht selber einen epileptischen Anfall erkennt Außenstehende ihn erkennen.

00:10:59: Was liegt in einem epileptischen Anfall überhaupt zugrunde?

00:11:02: Warum passiert so was?

00:11:04: Also die pathophysiologische Grundlage ist, dass sich große Nervenzelleverbände im Gehirn elektrisch entladen.

00:11:10: Das Gehirnen ist ja dauerhaft in einem Wachzustand, in einem An- und Auszustand jeder einzelne Nervenzielle, die sehr koordiniert ablaufen.

00:11:17: Und wenn ich meinen rechten Arm hebe und winke dann feuern auf der linken Seite im Geirn ganz bewusst Nervenzählen weil ich will das gerade, dass diese Nerven Zellen feuern.

00:11:25: Wenn aber ein epileptischer Anfall in der gleichen Stelle entstehen würde, dann entladen sich Milliarden von Nervenzellen auf einmal.

00:11:31: Und dann kann ich nicht steuern was passiert?

00:11:33: Dann wäre das was wir eben schon sagten der Arm steif und würde sozusagen zucken also eine Synchronisierte, plötzlich auftretende Entladungsaktivität von großen Zellverbänden, Neuron-Verbänden im Gehirn.

00:11:45: Und je nachdem wo sich die Nervenzellen entladen, passieren verschiedene Sachen.

00:11:49: Nämlich welche Funktionen dort angesiedelt sind.

00:11:52: Die Kraft das Fühlen und das Déjà-vu erleben, das Sehen, die Sprache, das Bewusstsein.

00:11:57: also nachdem in welcher Region des Gehirns die Aktivität startet oder abläuft passieren verschiedene Dinge.

00:12:03: Wenn man dann Neuroanatomie kennt was wir wissen müssen als Neurologen und Epileptologen können aus den Symptomen, die die Patienten und Schildern schließen.

00:12:10: Wo im Gehirn?

00:12:11: Denn der Anfall gerade beginnt und sich weiter

00:12:13: ausbreitet.".

00:12:14: Und was kickt jetzt diese Nervenzellen so überaktiv zu

00:12:17: sein?!

00:12:18: Das ist eine gute Frage!

00:12:23: Also wenn man wegen einer Lesion da ist, ich sage mal jetzt zum Beispiel einen gutartiger Hirntumor.

00:12:27: Der das Leben nicht limitiert aber der so ein Grad-Eins-Tumor ist, der stört dort die Nervenzellen, irritiert das ganz feine Gewebe.

00:12:34: und dann werden die Nerfenzellen drum herum sozusagen umgebaut dahingehend dass sie sich schneller entladen als es normalerweise der Fall ist und sich ab und zu mal fünfmal im Monat zum Beispiel spontan entladEN können.

00:12:46: und dann entsteht eben je nachdem wo's im Gehirn ist der epileptische Anfall.

00:12:50: Aber wie finde ich immer irgendwelche Lesionen im MRT, was wir durchführen und mitunter bleibt dann die Frage auch offen.

00:12:56: Was dahinter ist?

00:12:57: Wir wissen zumindest das Lesion oder den Schlaganfall zum Beispiel.

00:13:00: Ja, wenn ältere Menschen Schlaganfallen bekommen, dann entwickelns zehn Prozent in den nächsten Jahren auf Grundlage des Schlaganfalls eine Epilepsie also epileptische Anfälle weil die Narbe der Schlaganfalts wird dazu dass die Nervenzellen drum herum umgebaut werden und sich leichter spontan entladen.

00:13:16: Und das sind nicht bei allen Menschen gleich.

00:13:18: da kommt noch ein genetischer Hintergrund dazu Aber das sind die Pathophysiologische Grundlage eines epileptischen Anfalls.

00:13:24: Wie ist es denn mit entgleisendem Blutzucker bei Diabetikern?

00:13:27: Kann das auch ein... Auslöser sein?

00:13:30: Ja, also wenn der Zucker massiv runtergeht das bekommt man durch Hunger auch nicht hin.

00:13:34: Das sind dann schon Leute mit einer Diabetes die zum Beispiel zu viel Tabletten eingenommen haben und es viel in Solinen gespritzt haben.

00:13:40: Dann die Zuckerwerte richtig tief runtergehen.

00:13:42: Dann kann in dieser Unterzuckerungssituation neben anderen Symptomen wie Zittern- und Bewusstseinstörung auch ein epileptischer Anfall auftreten.

00:13:50: Das heißt diese Anfall ist verursacht ausschließlich durch die Unterzuckeronk.

00:13:54: Und das nennt man einen akut symptomatischen Anfall.

00:13:58: Das heißt, der Anfall tritt nur deswegen auf.

00:14:00: Weil gerade diese Unterzuckerung da ist.

00:14:02: Wenn dieser Patient nie wieder eine Unterzückerung bekommt, weil er aufpasst mit seiner Diabetes-Therapie und seinen Medikamenten, dann bekommt auch nie wieder einen epileptischen Anfall.

00:14:11: Also akutsymptomatischer Anfall versus ... Der Gegenbegriff heißt unprovozierter epileptische Anfall, das sind die Anfälle, die aus heiltrem Himmel auftreten ohne so eine akute Erklärung oder einer akuten Erklärungen, von denen sie heranziehen kann.

00:14:24: Und die müssen behandelt werden.

00:14:26: Nur unprovozierte Unfälle können ... eine Epilepsie sein, einer kutsymptomatischen Anfall wie Unterzuckerung zum Beispiel.

00:14:31: Auch wenn man sie dreimal hatte ist noch keine Epilepsy.

00:14:34: Wenn man jetzt entdeckt dass jemand einen großen oder einen kleineren also fokalen Anfall hat?

00:14:40: Wie soll man denn reagieren als Außenstehender?

00:14:42: In der Regel geht es dann auch dabei wieder um die großen Anfälle.

00:14:45: Und das ist schon etwas sehr schockierendes, also selbst für uns, die das jeden Tag damit beschäftigen ... Wir sehen das ja nicht so häufig, aber wenn Patienten vor unseren Augen einen großen Anfall haben, ist ein einschneidendes Ereignis.

00:14:55: Wenn Angehörige das sehen und das zum ersten Mal, sind die oft absolut schockiert und glauben, die Person stirbt hier gleich und setzen alles in Bewegung irgendetwas zu tun.

00:15:04: Was man tun sollte, ist dafür zu sorgen dass derjenige sich nicht verletzt weil man fällt auf den Boden schlagen.

00:15:12: Und wenn man auf dem harten Boden liegt, wo ein Betonboden ist, dann sollte man einfach aufpassen und einen Pullover darunter legen, eine Decke darunterlegen oder eine Jacke darunder legen, dass derjenige sich nicht verletzt.

00:15:21: Man sollte bei der Person bleiben währenddessen und die sehr gut beobachten und sich einprägen was da genau abläuft auch sprechen mit der Person um zu schauen wann reagiert sie wieder?

00:15:30: Und das mag jetzt überraschend klingeln aber das ist auch Empfehlung in unserer Eplepsy Light Linie von der Deutschen Aurologengesellschaft.

00:15:36: Man sollte das filmen mit seiner Handykamera weil das für den Arzt nachher extrem hilfreich ist, wenn er sich so ein Video angucken kann von dem Anfall.

00:15:44: Und es hat eine viel größere diagnostische Aussagekraft als nur die Beschreibung des Zeugen.

00:15:49: Weil was man sich heute merkt, hat man in zwei Wochen wieder vergessen und dann gibt man das an drei Ecken weiter, wie stille Post da geht die Hälfte verloren.

00:15:56: Wir wissen, dass bei Unfällen das mittlerweile ein Straftat ist.

00:15:59: Zum Glück in Deutschland, man darf so was nicht filmen.

00:16:01: aber hier geht es um etwas ganz anderes.

00:16:02: Hier geht's um eine wirklich diagnostischer Aussagekraft und jeder hat heute griffbereit ein Handy und drückt auf zwei Knöpfe und kann sofort filmen.

00:16:10: Und da sollte man den Kopf filmen oder den Körper filmen und das zur Verfügung stellen nachher.

00:16:13: Danach kann man es dann löschen natürlich!

00:16:15: Aber für die Ärzte ist es einfach extrem hilfreich wenn sie nicht nur berichtet bekommen was los war sondern solche Videos nachher angucken Um der Frage nachzugehen, war es wirklich ein epileptischer Anfall oder einen Ohnmachts-Anfall?

00:16:26: Oder ein psychogener nicht epileptische Anfall.

00:16:28: Da sind Videos sehr hilfreich!

00:16:29: Also das heißt so ein Anfall kann durchaus gefährlich sein wenn er den ganzen Körper betrifft und die Leute den Sturz haben und der Kopf schlägt.

00:16:35: Das Gefährliche dabei ist dass man sich verletzen kann.

00:16:37: also die Anfälle kommen ja oft völlig dann überraschend für die leute.

00:16:40: und das eigentlich gefährliche sind Stürze dabei und man steht manchmal auch an Treppen und da geht's Treppenstufen runter oder man steht an der S-Bahn und U-Bahnen und sage ich mal schon mit Epilepsie bitte mal zwei Meter Abstand und nicht so nah an der Kante ranstehen.

00:16:53: Man kann sich alles Mögliche ausmalen, wenn man es lang genug gemacht hat, dann kriegt man schon eine Menge mit was noch passieren kann bei Anfällen.

00:17:01: Wir wollen den Patienten die Angst machen, wir wollen das aber auch nicht bagatellisieren sondern wirklich auf die Risiken hinweisen, die da sind und das sind eben die Stürze und da kann man sich massiv verletzen.

00:17:09: Und

00:17:09: im Nachhinein bei denen, die dann noch nicht orientiert sind ... irgendwie sich selbst gefährden.

00:17:13: Genau, und man sollte vor allem wenn der Anfall vorbei ist nach diesen neunzig Sekunden oder zwei Minuten dann sollte man als Helfer auch bei den Patienten dabei bleiben bis man wegen jetzt einen Krankenwagen da ist und wirklich bei der Person bleiben mit der Reden diese ein bisschen berühren oder aktivieren auf jeden Fall nicht alleine lassen die Personen

00:17:31: ersticken

00:17:33: Das kommt nicht vor.

00:17:34: Man wäre gut nach einem Anfall wegen des Speichelflusses, die stabile Seitenlage zu legen, das wird schon empfohlen.

00:17:41: aber dass man wirklich am epileptischen Anfall oder auch nach einem anfallen mit seinem Speichel erstickt, das kommt nicht vorn.

00:17:46: Und Gehirnzellen

00:17:47: gehen auch nicht zugrunde?

00:17:48: Das ist die große Sorge der Patienten, dass gerade bei großen epileptischen Anfällen beim Gromal-Anfall Nervenzellen zugrunde gehen.

00:17:55: Ich würde mal sagen nein, das gibt aktuell keine Hinweise darauf.

00:17:58: wie kann man das untersuchen?

00:18:00: Es gibt bei Patienten, die viele Anfälle haben mehrfach pro Monat so MRT Untersuchungen im Verlauf oder mehrere Jahre und da gibts eine Kontrollgruppe, die gleiches Alter, die keine Epilepsie haben.

00:18:09: und wenn man sich das im Verlauffand anguckt dann haben die Epilepsypatienten nicht mehr Schädigung ihrem MRT.

00:18:14: Wenn es natürlich MRT was gröberer ist es gibt analoge Untersuchung mit Thema Neuropsychologie, also Gedächtnisleistungen im Langzeitverlauf mit vielen Anfällen versus keine Anfälle.

00:18:23: Ich würde so sagen stand heute gibt es keine Hinweise darauf dass in einem klinisch relevanten Maße Nervenzellen zugrunde gehen.

00:18:30: aber die Sorge haben die Patienten immer und da reden wir sehr häufig drüber.

00:18:33: Gibt's den Unterschiede im Alter auch

00:18:37: im Geschlecht?

00:18:38: keine Unterschiede bei Epilepsie und beim Alter Ja.

00:18:41: Und zwar, wenn wir über den Beginn der Epilepsy reden dann ist das ein u-förmiger Verlauf.

00:18:45: also man sich die Lebensachse anguckt Dann treten die viele Anfälle in ersten zehn, fünfzehn Jahren des Lebens auf, dann so zwischen dem fünftzehnten zwanzigsten und bis zum Sechzigsten Lebensjahr ist es relativ selten und dass eine Epilebsie beginnt und ab dem sechzigste Lebensjahre gehts ganz massiv nach oben Und das liegt an den zugrunde liegenden Ursachen.

00:19:04: Denn bei Kindern und Jugendlichen sind es oft genetisch gebundene Veränderungen, also dass einfach deshalb so führt, dass die Nervenzellen sich dann entladen und Epilepsie beginnt, angeborene Form der Epilepsy.

00:19:15: Dann kommt die große Pause zwischendurch und ab dem ja bei älteren sage ich mal ab dem fünfundsechzigsten vielleicht auch siebzigste Lebensjahr hat das Gehirn schon eine ganze Menge mitgemacht.

00:19:24: Und es sind vor allen Dingen durch Blutungsstörungen, also kleinere und größere Schlaganfälle aber auch neurodegenerative Veränderungen.

00:19:32: Die machen fünfzig-sechzig Prozent der Ursachen von Epilepsien bei älteren aus.

00:19:36: Das ist der Grund warum so ab dem sechzigsten, siebzigsten Lebensjahr die Kurve ganz nach oben geht mit dem Neuauftreten von Eplepsien.

00:19:42: Also Altersepilepsin ist ein Großherausforderung!

00:19:44: Und

00:19:44: auch mehr Tumoren im Gehirnen?

00:19:46: Genau, absolut betrachtet sind Tumore selten und wenig.

00:19:49: Aber die spielen auch eine Rolle und nehmen auch zu... Aber jetzt gemessen an Starkanfällen und Gebutungsstörungen und Neurogenerationen ist das nachgeordnet, aber spielt eine Rolle.

00:19:58: Und wahrscheinlich sind Stress- und Alkohol für Betroffene Gift?

00:20:01: Nein, also Alkohol zumindest nicht.

00:20:03: Und wir sind ja dafür da, dass wir die Patienten vernünftig aufklären und leider werden Menschen mit Epilepsie sehr viel verboten belegt und haben ja schon genug Probleme.

00:20:12: Gerade junge Leute, die kriegen Diagnose einer chronischen Erkrankung, die müssen Medikamente einnehmen, die dürfen keinen Autofahren für eine gewisse Zeit bei dem Arbeiten-Berufsausbildung ist es ein Problem.

00:20:22: Dann kriegen sie noch erzählt du darfst nie wieder Alkohl trinken.

00:20:24: das stimmt so nicht.

00:20:25: So ist alles ne Frage von Maß und Mitte.

00:20:27: Also wer in vernünftigen Mengen Alkol konsumiert, das heißt nicht betrunken ist.

00:20:32: Zusammengefasst also mal ein Glas Bier und mal eins oder zwei Gläser Wein trinkt und das auch dreimal in der Woche macht.

00:20:37: Das ist kein Problem und führt nicht zu mehr Anfällen.

00:20:40: Und Stress?

00:20:42: Stress wird von vielen Patienten als Trigger, also als Auslöser angegeben für epileptische Anfälle.

00:20:47: Also man fragt haben sie eine Erklärung warum nach drei Monaten wieder ein Anfall aufgetreten ist?

00:20:51: Wir fragen dann oft danach ob sich vielleicht die Medikamente nicht regelmäßig eingenommen haben.

00:20:54: Dann kommt oft als Antwort ja ich habe so viel Stress.

00:20:56: gerade das Problem ist Stress ist nicht gut messbar wenn wir alle haben Stress den ganzen Tag und es gibt ja nicht nur bösen Stress gibt er auch Eustress.

00:21:03: also guten Stress ist ja nicht per se was Negatives.

00:21:07: Und das probleme ist dass natürlich viele Tage da sind wo die Leute auch Stress haben aber kein epileptischer Anfall.

00:21:11: Das heißt, die Assoziation ist schwer nachzuweisen.

00:21:14: Aber es gibt durchaus ein paar belastbare Studien, die zeigen, wenn so Major-Live-Events, also wenn relevante Sachen im Leben passieren wie Verlust eines nahen Angehörigen, persönliche private Trennungssituationen, Arbeitsplatzverlust das in diesen sehr belastenden Lebenssituationen bei Menschen, die eine Epilepsie haben dann mehr Anfälle auftreten als in ruhigeren Lebensphasen.

00:21:35: aber der Alltagstress kann man nicht sagen oh Watteklar so gehabt jetzt habe ich einen Anfall gehabt.

00:21:39: das ist ein bisschen zu einfach.

00:21:41: Kommen wir zum TK-Mythencheck.

00:21:43: Ich stelle jetzt drei Fragen und bitte um drei Antworten.

00:21:48: Mythos Nummer eins, Menschen die einen epileptischen Anfall haben sollte man immer festhalten.

00:21:55: Das ist falsch, weil das Zucken oder die Bewegung des Patienten sind ja Ausdruck dessen was im Gehirn gerade passiert und der Ablauf des Anfalls im Geirn kann so nicht gestoppt werden.

00:22:04: Es kann sogar zu Verletzungen kommen wenn man sich auf einen Patienten setzt oder meint die Arme festhalten zu müssen sondern man sollte darauf achten dass derjenige sich nicht verletzt mit dem Kopf aufschlägt aber ansonsten einfach den Anfall seinen Lauf lassen.

00:22:16: Mythos Nummer zwei blinkende oder flackernde Lichter triggern die Epilepsie.

00:22:21: Es gibt Menschen mit einer photosensiblen Epilepsie, das in ungefähr ein bis zwei Prozent der Patienten.

00:22:27: Da triggert das Licht einen epileptischen Anfall.

00:22:29: die Patienten wissen das aber längst und die vermeiden solche Situationen.

00:22:33: Mythos Nummer drei jeder Mensch kann einen epilepticen Anfall bekommen.

00:22:38: Der den Satz würde ich zu hundert Prozent unterschreiben jedes Gehirn ist in der Lage dass eine epileptische Anfall auftauchte dass es sich entlädt wenn Ich drei Tage nichts Trinke, Fieber habe.

00:22:48: Unter Zuckerbinden werde ich sehr wahrscheinlich mit einem epileptischen Anfall drauf

00:22:51: reagieren.".

00:22:52: Es gibt jetzt viele Medikamente.

00:22:53: die nennt man Anti-Epileptika.

00:22:56: wie behandelt man und was machen diese Medikamente?

00:22:59: Wir sagen seit ein paar Jahren Anfalls so pressiver, weil das Wort Antiepileptikum suggeriert, dass die Erkrankung Epilepsie behandelt wird.

00:23:06: Das ist nicht der Falles, sondern es wird nur das Symptom der epileptische Anfall unterdrückt oder verhindert und diese Medikamente sorgen dafür, dass Die Hemmung im Gehirn gesteigert wird.

00:23:14: Der epileptischen Anfall basiert ja auf einer Übererregung von bestimmten Teilen des Gehirns- und Nervenzellen Und die Medikamente machen das Gegenteil, die stärken die Hemmungen und greifen dort an verschiedenen pathophysiologischen Mechanismen an Keine Anfälle auftreten.

00:23:30: Auf der anderen Seite aber auch möglichst keine Nebenwirkungen auftretten sollen, die jemand nicht die ganze Zeit durch die verstärkte Hemmung müde ist.

00:23:36: Und wonach gehen Sie dann beim Auswählen?

00:23:38: Es gibt ja so viele verschiedene...

00:23:40: Es gibt ungefähr zwanzig verschiedene Medikamente gegen Anfälle oder gegen Epilepsie.

00:23:44: Und im Groben kann man sagen, dass die alle ziemlich ähnlich wirken aber sie unterscheiden sich in ihrer Verträglichkeit und wir suchen die Medikamente danach aus was für eine Epilepsy Form vorliegt.

00:23:54: also generalisierte Epilebsien werden anders behandelt als Fokalbeginnende Epilebzine.

00:23:59: Wir suchen nach Geschlecht aus weil es bestimmte Medikamenten gibt die Frauen im gebärfähigen Alter nicht einnehmen dürfen.

00:24:04: wir suchen nach dem Alter der Patienten aus.

00:24:06: wir geben jungen Menschen andere Medikaments als älteren Menschen.

00:24:09: wir berücksichtigen Komorbiditäten, also andere Erkrankungen und die Co-Medikation.

00:24:14: Also andere Medikamente wie Blutdruckmedikament oder Cholesterinsenker weil sie eben verschiedene Wechselwirkung haben.

00:24:19: Diese vier fünf Faktoren haben wir vor Augen und suchen dann für den individuellen Patienten das individuelle beste Medikament aus.

00:24:26: Kann man denn die Epilepsie heilen?

00:24:28: Mit dem Wort Heilin sind wir ein bisschen zurückhaltend, also benutzen den Begriff überwunden.

00:24:33: Das kommt aus dem Englischen und der Hintergrund ist der dass selbst wenn Leute zehn Jahre anfahrtsfrei sind und zehn Jahre keine Medikamente mehr einnehmen das sie doch am Ende im Vergleich zu Alters gleichen Kontrollpersonen, die nie Anfälle hatten.

00:24:46: Ein größtes Risiko haben das doch noch wie ein Anfallauftritt.

00:24:49: Deswegen sind wir sehr zurückhaltend mit dem Wort heilen und sprechen eher von einer überwundenen

00:24:53: Epilepsy.".

00:24:53: Aber man setzt also die Medikamente dann irgendwann wieder ab?

00:24:56: Wie ich jetzt Ihre Aussage entnehme...

00:24:58: Kann man!

00:24:58: Das hängt davon ab.

00:24:59: zum einen ist die Regel dass die Patienten mindestens zwei Jahre frei von epileptischen Anfällen sein sollten

00:25:05: unter medikament

00:25:06: Genau für zwei Jahren mindestens Medikament eine genommen haben sollen.

00:25:09: wenn sie dann zwei Jahre keinen Anfall hatten Die Überlegung anstellen kann mit den Patienten gemeinsam, so beim Versuchen abzusetzen.

00:25:15: Und dann gibt es aber jede Menge Faktoren die sozusagen beeinflussen können das Risiko dass nach Absetzten wieder ein Anfall auftritt oder sie anfallsfrei bleiben.

00:25:23: da gehört zu haben wir im MRT irgendwelche Veränderungen?

00:25:25: wenn ich jetzt mal wegen einen früheren Schlaggerfall hätte eine Narbe würde ich er nicht absetzen.

00:25:29: Es ist risiko sehr groß das weitere anfälle auftreten.

00:25:32: Das EG spielt da ne Rolle Aber es spielt am Ende auch die Haltung der Patienten eine große Rolle.

00:25:37: und weil wir sagen nicht als Ärzte Wir machen das jetzt so und so sondern wir machen Vorschläge und beraten die Patienten, aber die müssen das am Ende ja erleben und ertragen.

00:25:45: Und ich habe Patienten dieser dreißig Jahre anfallsfrei sind wo ich sage sollen wir nicht mal das Medikament jetzt mal absetzen nach dreizig Jahren?

00:25:51: Und sie sagen nein!

00:25:52: Ich hab so eine Angst vom nächsten Anfall.

00:25:54: ich möchte das weiter einnehmen und wenn die Dosis niedrig ist und keine Nebenwirkungen auftreten kein Problem dann bekommen wir es weiter aufgeschrieben.

00:26:01: Das heißt der Patient bestimmt das dann deutlich mit Und das hängt auch von individuellen Lebenssituation ab.

00:26:05: Wer gerade mal wegen keines Kind bekommen hat und trägt das Kind in seiner Wohnung rum oder mit dem Kinderwagen im Straßenverkehr, dann würden wir eher sagen jetzt kein guter Zeitpunkt Medikament abzusetzen.

00:26:14: Wer zu Hause einen Job hat und in der sicheren Situation ist da wird immer eher dazu neigen das Abzusetzen.

00:26:20: aber am Ende hören wir auf den Patienten was er eigentlich möchte was dafür Ängste und Sorgen sind.

00:26:23: und für Erwartungshaltung Wir beraten Hohensicht der Zahlen.

00:26:27: Und gibt man denn einen Gegenmittel eigentlich im akuten Anfall?

00:26:30: Da gab es doch früher mal diese Berühigungs-Zäpfchen, die man den Patienten gegeben hat.

00:26:35: Man kann beispielsweise Notfallmedikamente was immer Benzodiazepine sind sowie Midazolam oder Lorazepam.

00:26:41: Gibt so Möglichkeiten dass man diese in die Wangen Tasche spritzt also spricht ein bisschen dem Mund aufmacht und zwischen Zahnreihe und Wange ein Milliliter links und rechts.

00:26:49: Das hat eine gute Wirksamkeit, aber die setzt erst nach sechs Minuten ein.

00:26:53: Und wenn der Anfall zwei Minuten dauert, dann macht das überhaupt keinen Sinn einen Medikament zu geben was eigentlich erst vier Minuten später seine Wirksamke hat.

00:27:00: Anfälle sind zum überwiegenden Teil selbst limitierend, da muss man nichts machen.

00:27:04: Man wartet ab bis der Anfall vorbei ist und sollte weder während des Anfalls noch nach dem Anfall ein Notfallmedikament geben.

00:27:10: Weil das macht einen ja dann auch erst recht wieder müde?

00:27:12: Das

00:27:12: setzt dann genau!

00:27:13: Das verlängert dann diese Phase der Müdigkeit nach dem an Fall und dann schläft man nicht dreißig Minuten sondern vier Stunden danach und es ist nicht notwendig.

00:27:20: Das hat sich also auch verändert.

00:27:23: Es gibt Situationen, da ist es indiziert man wegen wenn Anfall länger als fünf Minuten dauern ein Status Epileptikus dann sollte man intervenieren und wir kennen manche Patienten die haben drei Monate keinen Anfall und dann wenn ein Anfall kommt bekommen sie oft am gleichen Tag einen zweiten oder dritten Anfall hinterher so eine Cluster eine Serie und bei den Patienten empfehlen wir dann nach dem ersten Anfall ein Notfallmedikament zu nehmen, um den zweiten, dritten Anfall zu verhindern.

00:27:46: Das sind individuelle Entscheidungen aber der normale Anfall wird nicht mit Medikamenten beendet.

00:27:51: Der hört von alleine wieder auf.

00:27:53: Die Einschränkungen eines Erkrankten sind sicherlich groß.

00:27:56: Sie haben davon gesprochen dass man zum Beispiel eine Weile nicht Auto fahren darf.

00:28:00: dann ist es wahrscheinlich auch sehr stigmatisierend wenn man dann gerade so einen großen Anfall hat und ich weiß nicht wahrscheinlich auch eine Körpersekrete nicht halten kann.

00:28:08: Nicht nur Speichel, sondern Wasserlässt oder ähnliches?

00:28:11: Was macht es mit den Leuten?

00:28:13: also wie geht's denen?

00:28:15: Also erst mal ist die gute Nachricht dass durch unsere medikamentöse Therapie zwei Drittel der Patienten anfallsfrei werden.

00:28:21: das heißt in regel mit einem Medikament oder maximal zwei Medikamente einer Dosis Die gut vertragen wird werden zwei drittel der Patientenanfahrts frei.

00:28:29: Das ist schon mal sensationell und das ist schon ein sehr guter Erfolg.

00:28:32: also bleibt jetzt ein Drittel des Patienten übrig die weiter Anfälle haben.

00:28:36: Da gelten ganz klare Regeln, was Autofahren angeht.

00:28:40: Man muss ein Jahr frei von Anfällen sein um Autofahrern zu dürfen und da geht es ja gar nicht um einen selbst.

00:28:47: Es geht zum anderen Verkehrsteilnehmer.

00:28:48: Die sollen geschützt werden und es gibt genug in den Medien Berichte darüber, was passieren kann wenn Leute am Steuer einen epileptischen Anfall hatten.

00:28:56: Das hat zum Teil dramatische Konsequenzen für andere Menschen.

00:29:01: Alle anderen Dinge des Lebens sind Eigentferdungen.

00:29:03: Das bedeutet, da klären wir drüber auf, man wegen das Zimmer schwimmen und Wasser also wäre ein epileptischen Anfall auf dem See hat im Sommer und schwimmt gerade, der geht unter und ertrinkt.

00:29:13: Das kann man nicht überleben.

00:29:14: Und deswegen sagen wir den Patienten immer so lange sie kein Auto fahren dürfen sollten Sie auch nicht alleine schwimmen gehen wenn sie neben sich jemand haben der sehr kräftig ist und sehr nah an ihnen dran ist und sie bei Wasser halten kann.

00:29:24: ein paar Minuten wunderbar aber das ist selten der Fall.

00:29:27: verzichten Sie drauf.

00:29:28: verzichten sie auch auf die Benutzung einer Badewanne weil auch das reicht schon aus diese vierzig-fünfzig Zentimeter.

00:29:33: wer da allein im Badezimmer ist und du rutscht im Anfall unter die Wasseroberfläche kann daran ertinken im Alltag.

00:29:39: Deswegen lieber duschen!

00:29:41: Das gilt aber nicht das Leben lang, sondern nur so ein Ja ungefähr weil man sagt die länger der letzte Anfall her ist umso weniger wahrscheinlich tritt noch wieder einen Anfall auf.

00:29:49: deswegen darf man ja Auto fahren nach einem Jahr und wir übertragen diese Freizeitsituation eben auch aus der Autofahrsituation.

00:29:56: Bergsteigen würde ich auch nicht machen in der Zeit und so weiter.

00:29:59: Ich würde mich drei Meter auf eine Leiter steigen um mein Haus zu streichen einfach den gesunden Menschenverstand anschalten.

00:30:04: Aber all das ist Eigengeferdung und entscheidet der Patient ganz alleine.

00:30:07: Wir klären uns ein bisschen auf.

00:30:08: Familienplanung ist ein Thema, worauf muss man achten?

00:30:12: Ja, also generell ist Epilepsie kein Grund dass man auf Kinder verzichtet.

00:30:15: und selbst bei den genetisch verursachten Epilepzien wo man schon erwarten würde ogenetik das hat sich ja ein russes Vererbungsrisiko beträgt die Wahrscheinlichkeit dass die nachkommen Epilepsy haben sechs bis acht Prozent.

00:30:26: Also man muss schon vierzehn-fünfzehn Kinder haben das einen Kind mehr Epilebsi hat.

00:30:30: sehr unwahrscheinlich heutzutage.

00:30:31: und selbst wenn das Kind dann auch eine Epilepse hat es ist in der Regel ja auch gut behandelbar.

00:30:35: Das sollte keinen Menschen abhalten Kinder zu bekommen.

00:30:39: Die Limitation ist eher die Behandlung Epilepsie, nämlich die Medikamente.

00:30:42: Da gibt es bestimmte wie die Walproinsäure zum Beispiel, die bei Frauen im gebärfigen Alter nicht eingesetzt werden darf und das ist bei einer Form der Epilepsy, bei den generalisierten Epilepzien das beste Medikament.

00:30:53: da müssen dann Wege gefunden werden.

00:30:55: aber die Regel ist eigentlich bei Frauen in gebärfähigen Alter darf das nicht eingesätzt werden.

00:30:59: Aber auch das hält einig von der Familienplanung ab.

00:31:02: Es muss nur eine gute Beratungsstadt finden.

00:31:04: durch fachkundige Ärzte

00:31:05: Können den Betroffene auch irgendwas selber tun über die Ernährung oder Lebensstilmaßnahmen, um die Anfallshäufigkeit zu reduzieren?

00:31:13: Man kann relativ wenig tun.

00:31:15: Das Entscheidende ist, dass man regelmäßig seine Medikamente einnimmt und wenn man die Medikamenten nicht verträgt oder eine Aversion hat den Medikamen gegenüber dann sollte man mit dem Arzt so beraten und da können Alternativen überlegt werden niemals alleine Medikamente in der Dosis reduzieren oder absetzen weil das führt dann oft zu kleinen Katastrophen und größeren Katastrofen das wieder Anfälle auftreten.

00:31:35: also der Beitrag des Patienten besteht darin im regelmässig die Tabletten einzunehmen.

00:31:40: ansonsten kann man vielleicht auch zum Glück nicht so viel tun.

00:31:42: Das heißt, man muss sich nicht so viel einschränken.

00:31:45: Bei manchen Formen der Epilepsy – das sind die generalisierten genetisch gebundenen Epilepsien – spielt Schlafentzug eine große Rolle?

00:31:52: Das sind dann oft Jugendlichen, erste Party, zu viel Alkohol.

00:31:56: Ganz wenig geschlafen und dann kommt Mumma am nächsten Morgen der Anfall.

00:31:59: das wissen die dann oft auch.

00:32:01: man muss nicht komplett darauf verzichten, man muss nur Bescheid wissen und so ein bisschen Maß und Mitte halten zum Thema Alkohl- und auch beim Thema Schlafentzug.

00:32:08: Und ansonsten können Patienten nicht soviel machen müssen aber auch wenig verzichten.

00:32:12: Ernährung kann sie noch angesprochen.

00:32:14: Es gibt einen Konzept dass wenn man sich Kohlenhydrat arm oder Kohlenhydrat frei ernährt Ketogene Diät oder ketogenen.

00:32:22: Ernährungstherapie ist seit hundert Jahren bekannt.

00:32:25: Gibt es gute Studien von uns hat fünfundzwanzig, die gezeigt haben dass damit sechzig Prozent der Patienten anfallsfrei werden.

00:32:31: Das wirkt auch heute noch.

00:32:32: Das Problem ist, das ist schon etwas sehr Einschneidendes also komplett auf Kohlenhydrate zu verzichten oder Kohlenhydrat arm zu essen da können sie in kein Restaurant gehen.

00:32:41: man kann nicht bei Freunden zum Essen eingeladen werden weil es muss grundsätzlich etwas ganz eigenes gekocht werden.

00:32:46: Es ist schon eine große Herausforderung und die meisten Erwachsen halten das nicht durch.

00:32:50: Wir setzen das bei kleinen Kindern ein, die eben nicht mal zum Kiosk gehen und sich Schokolade kaufen Und auch beim Menschen mit geistigen Behinderungen Die sehr viel und schwere Epilepsien haben und die auch nicht zum Kio ausgehen kaufen, da kann man Ketogene Diät einsetzen.

00:33:03: Das hilft.

00:33:03: bei Erwachsenen ist es oft mit dem Lebensstil nicht vereinbar.

00:33:07: und warum ist Epilepsie heute immer noch irgendwie so stigmatisiert?

00:33:11: Also ich glaube das Besondere der Erkrankung Generalisiert tonisch-konischen großen epileptischen Anfalls.

00:33:20: Das ist für Leute, die sowas nie gesehen haben und auch Leute dies mal nicht mehr gesehen haben was so einschneiden das was da passiert dass er automatisch so eine Angsthaltung entsteht und Sorge entsteht Und den Leuten irgendwas besonderes Gutes oder Schlechtes zugesprochen wird.

00:33:34: Früher sagte man Morbus Saka, die heilige Erkrankung hat ja eigentlich was Positives an sich.

00:33:39: Ist aber auch stigmatisierend in gewisser Weise, weil man Leute auf einer positiven Art und Weise ausgrenzt.

00:33:43: Ich glaube es liegt einfach schon daran dass diese Anfälle dieses Umsichtsschlagen auf dem Boden liegen, dieses nicht ansprechbar sein so viel Sorge macht, soviel Angst beim Zugucken das das dazu führt dass sozusagen da eine gewisse Distanz oder an den Leuten bestimmte Eigenschaften zugesprochen werden.

00:34:00: zum Glück wird das besser.

00:34:01: Ich wollte ja auch Neurologin werden.

00:34:03: Ich bin in die Dermatologie umgeschwenkt, aber ich schätze die Neurologen besonders und finde das zu ganz intellektuelle Ärzte.

00:34:09: Trotzdem haben sie es wahnsinnig toll geschafft mit ihren Worten so gut zu erklären, dass wir alle einen sehr guten Eindruck bekommen haben wie groß Epileptologie als Fach ist und wie viele verschiedene Formes gibt und wie viel man für diese Menschen tun kann.

00:34:25: Vielen Dank dafür!

00:34:26: Sehr gerne.

00:34:28: Das war's für heute.

00:34:30: Die nächste Folge von Ist das noch gesund?

00:34:32: erscheint in einem Monat.

00:34:34: Und um sie nicht zu verpassen, folge uns einfach in deiner Podcast-App!

00:34:37: Wenn dir unser Podcast gefällt hinterlasse uns gerne eine nette Bewertung und bei Fragen, Kritik oder Themenvorschlägen erreichst du uns unter podcast at tk.de oder auf den Social Media Kanälen der Techniker.

00:34:52: Danke fürs Zuhören bis zum nächsten Mal.

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